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Fußball ist nicht nur ein Sport und großes Geschäft, sondern auch Forschung. Eine Annäherung über die notwendigen Netzwerke, die Schrittmacher für den Erfolg sind.
(Wien 25.6.2008) "Fußball ist Weltsprache geworden", sagt Beppo Mauhart, Ehrenpräsident des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) anlässlich einer Diskussionsrunde zum Thema "Fußball und Forschung - durch Vernetzung zum Erfolg", die unter der Ägide von Karl Blecha und der Gesellschaft zur Förderung der Forschung stattgefunden hat. Beim Kampf ums runde Leder spielt auch die Wissenschaft eine nicht geringe Rolle. Ball, Schuhe, Trikot oder auch die Trainingsmethoden mitsamt der Leitungsdiagnostik sowie die Methoden für die Dopingkontrollen - die Austrian Research Centers haben bisher 160 Proben analysiert - sind Produkte der Forschung. Aber auch die Technologien, die den Fußball in die Welt hinausträgt, sowie die Analyse der einzelnen Spiele beschäftigen neben den Akteuren und Zuschauern sowohl Unternehmer als auch Forscher.
"Es ist nicht nur Spielerei, sondern wie in der Wirtschaft kann man bei einem Fußballspiel die Relationen der beteiligten Personen analysieren", hebt Harald Katzmair, Geschäftsführer des privaten Forschungsinstituts FAS Research die Bedeutung der Netzwerkanalyse hervor. Das in Wien und San Francisco ansässige Forschungsunternehmen ermittelt mit der Netzwerkanalyse die Spielzüge der Teams, die bei der EURO 2008 teilnehmen. "Wir schauen wie der Ball zirkuliert und wer wem passt", erklärt Katzmair. Und daraus ergibt sich dann ein für den Betrachter fast wirr anmutendes Bild, geprägt von unzähligen Pfeilen. Aus dem schier unübersichtlichen Geflecht ergeben sich aufschlussreiche Beziehungen. "Wir sind auf der Suche nach dem Spielmacher", erklärt Katzmair. Und über die Beziehungen können Erklärungen zu den Spielsystemen und den Erfolg der einzelnen Mannschaften gefunden werden. Netzwerker Katzmair untersucht üblicherweise die Verbindungen zwischen Unternehmen und Managern und den daraus resultierenden Verflechtungen.
Vonseiten der Telekommunikation betrachtet, geht es in der Zukunft darum, wie Menschen miteinander über die bestehende Infrastruktur vernetzt werden. "Die Technologie dafür existiert", erklärte Helmut Leopold, Leiter Plattform- und Technologiemanagement der Telekom Austria, "bei den technologischen Entwicklungen wird sich in der Zukunft nicht ganz so viel tun im Vergleich zu den rückliegenden Jahren." Raum und Zeit spielten keine Rolle mehr. Vielmehr gehe es darum, nun Programme zu designen, um die Menschen miteinander intelligent in Verbindung zu bringen, etwa mit Open Source oder den so genannten Web 2.0-Technologien. "Dabei geht es die kommenden fünf bis zehn Jahre darum, wie wir die Werkzeuge auf diese Netzwerke abstimmen kommen." Wikipedia, Facebook oder MySpace mit ihren hunderten von Millionen Nutzern verdeutlichen geradezu beispielhaft, welche Bedürfnisse der Mensch bei der Kommunikation hat.
Hightech für den Fußball ist Zukunftsmusik Die Verwissenschaftlichung und Technologiesierung hat konkret beim Fußball auch ihre Grenzen. So wird der Chip im Fußball, um dem Schiedsrichter etwa als Entscheidungshilfe mitzugeben, genauso wenig Einzug halten, wie der Videobeweis oder in den Schienbeinschützern eingebaute Chips, mit denen etwa die Laufwege der Fußballspieler per GPS exakt zu vermessen wäre. "Fußball lebt von dem spontanen, wenn auch manchmal unperfekten und gar zu menschlichen Zügen", erteilt Beppo Mauhart, Ehrenpräsident des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB), jeglichen technologischen Spekulationen eine Abfuhr. Und das würde man auch aus Seiten der Verantwortlichen des Weltfußballverbandes FIFA oder des Europäischen Fußballverbandes UEFA so sehen. "Die Einführung dieser Technologien würden zu einer Entmenschlichung des Fußballs führen, bei aller Ungerechtigkeit, die auch Fehlentscheidungen von Schiedsrichter mit sich bringen."
Mauhart betont aber dennoch, dass man den Fußball weiterhin fördern muss. Und das nicht nur auf dem Fußballfeld, sondern auch im Museum. Als Paradebeispiel für eine gelungene Ausstellung nannte Mauhart die Ausstellung "Herzrasen" im Wiener Künstlerhaus. "Dies soll man weiterführen. Und mit den interaktiven Elementen könnte man ein besonderes Museum errichten, das nicht nur vergangenheitsbezogene Exponate präsentiert, sondern den Besucher zum Tun anregen kann."
Die Forderung des scheidenden ÖFB-Teamchefs Josef Hickersberger, dass man bei der Leistungsdiagnostik in Österreich den eingeschlagenen Weg weiter gehen soll, steht weiterhin (nur) zur Diskussion. Die teilnehmenden Teams der EURO 2008 hatten wie nie zuvor bei einer internationalen Fußballmeisterschaft auf die Verzahnung der Sportmedizin mit der Leistungsdiagnostik gesetzt. Staatssekretärin Christa Kranzl (SPÖ) erklärte auf Anfrage der "Telekom-Presse", ob die Leistungsdiagnostik zusätzliche Mittel bekommen würden, dass dies verfrüht wäre. "Es ist außerdem eine Frage des Geldes", erklärte Kranzl, die selbst Präsidentin eines unterklassigen Fußballvereins in Niederösterreich ist. Vorrang habe aber noch immer die Breite im Sport. Von der Einführung des von Mauhart vorgeschlagenen modernen Fußballmuseums, um die "Bedeutung des Sports" noch mehr hervorzuheben, zeigte sich Kranzl begeistert.
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