(25.5.2011, 15:30) Laut einer Studie der Net-Metrix AG besuchte Ende des Jahres 2010 jeder vierte Internet-User in der Schweiz mehrmals pro Woche Social Media Plattformen. Ähnlich steigende Besucherzahlen für Social Media Plattformen haben auch die meisten anderen Länder zu bieten.
Das bringt auch manch ein Unternehmen ins Grübeln, ob sich Social Media Marketing lohnt, das bisher dem Web 2.0 fernblieb. Zudem entwickeln sich Suchmaschinen seit einer Weile in Richtung „soziale Suche“, so dass Social Media auch für Suchmaschinenoptimierung wichtig werden. Wer sich für den Start ins Social Media Marketing entscheidet, steht allerdings vor einer Vielzahl möglicher Plattformen, auf denen er aktiv werden könnte. Wie soll man sich da entscheiden?
Bei der Suche nach Antworten kann man sich natürlich an Reichweiten der Social Media Plattformen orientieren. Bleiben wir einmal bei der Schweiz. Laut Net-Matrix Studie erzielte Facebook im Sommer 2010 hier eine Reichweite von 43 Prozent. YouTube folgte im Web 2.0 auf Platz ZWEI. Damit wäre dann klar: Facebook ist in der Schweiz Plattform erster Wahl für Social Media Marketing. Vielleicht kombiniert man Aktivitäten auf YouTube und Facebook, falls der Aufwand nicht abschreckt. Artikel beendet!
Zielgruppe und Nutzungsmöglichkeiten
Ganz so einfach ist die Auswahl natürlich nicht. Sie hängt einerseits von der Möglichkeit des Unternehmens ab, für die Plattform interessante und passende Inhalte zu produzieren.
• YouTube ist etwa eine riesige Video-Community. Nur wer sinnvoll Videos für sein Marketing einsetzt, ist hier gut aufgehoben. Das produzierte Video muss dabei zwei Funktionen erfüllen: Es muss für die Zielgruppe interessant genug sein, um bei der Fülle an Angeboten auf YouTube überhaupt wahrgenommen zu werden. Zugleich darf der Videoproduzent nie das mit dem Video verbundene Marketingziel aus den Augen verlieren. Selbst ein Werbevideo, das eine Million Mal angesehen wird, ist letztlich wertlos, wenn niemand die Verbindung zum werbenden Unternehmen sieht.
• Flickr ist eine große Foto-Community. Wer etwa touristische Angebote verkauft, kann durch herausragende Aufnahmen von Urlaubsregionen durchaus punkten und Interesse an seinem Angebot wecken. Andere Anbieter – etwa von B2B-Produkten – sind dagegen auf Flickr oftmals eher fehl am Platze.
Das Unternehmen xeit gmbh unterteilt deshalb bei der Ankündigung der dritten Studie „Web 2.0 in der Schweiz“ Social Media Plattformen in verschiedene Bereiche: YouTube wird als führend für Videos genannt, Flickr für Fotos und Facebook sowie XING als soziale Netzwerke. Fällt die Entscheidung zwischen Facebook und XING, wird die Zielgruppe relevant. Im B2C Geschäft ist Facebook erste Wahl, bei B2B wird XING interessanter.
Nicht immer kommt es auf die Größe an!
Wird von Social Media Marketing gesprochen, fallen oftmals stets dieselben Namen: Facebook, XING, Twitter, YouTube. Dabei wird vergessen, dass die Welt der Social Media im Internet bedeutend größer ist. Zahlreiche Foren und Blogs gehören ebenfalls in diese Kategorie. Insbesondere Anbieter mit speziellen Zielgruppen erzielen eventuell viel größere Marketingerfolge, wenn sie auf die kleineren Foren und Blogs setzen.
• Wer sich etwa als Anbieter von Tauchsportzubehör konsequent mit Beiträgen in Tauchforen zu Wort meldet, kommt seiner Zielgruppe oftmals viel schneller sehr viel näher als auf einer großen Social Media Plattform.
Autofahrer mit bestimmten Automarken, Handy-Liebhaber, Haustierfreunde – es gibt kaum eine durch Interessen vereinte Gruppe, für die im Internet nicht gleich mehrere Foren und thematisch passende Blogs existieren.
Im Ausland ist wieder alles anders
Facebook ist die Nummer Eins der Social Media Plattformen im Internet. Punkt. Das stimmt: zumindest für die Schweiz. Für Deutschland auch. Und für eine ganze Reihe anderer Länder. Aber es gilt eben nicht für alle Länder. Wer Produkte auch im Ausland anbieten und dabei auf Social Media Marketing setzen möchte, wird erneut schauen müssen, wo sich seine Zielgruppe eigentlich tummelt. „QQ“ (China), „Orkut“ (Brasilien), „Nasza-klasa“ (Polen) sind Namen von Social Media Plattformen, die vielen Deutschen, Schweizern, Österreichern nichts sagen. Aber sie haben in anderen Ländern große Bedeutung: für die Menschen dort UND fürs Social Media Marketing.
Social Media Marketing und Suchmaschinenoptimierung (SEO)
Suchmaschinen wie Google und Bing bauen zunehmend auf die soziale Suche. Bing lässt Nutzer, die auch auf Facebook aktiv sind, beispielsweise wissen, wenn Menschen aus ihrem Netzwerk eine der als Suchergebnis angezeigten Seiten gefällt. Letztlich bedeutet diese Entwicklung, dass sich die Grenze zwischen SEO und Sozial Media Marketing zunehmend auflöst. Wer gutes SEO plant, sollte daher in Zukunft viel stärker als heute auch Social Media Marketing in seine Strategie integrieren. Das bedeutet dann aber auch, dass die Auswahl der Social Media Plattformen, auf denen man als Unternehmer agiert, unter anderem von der Suchmaschine abhängt, die im jeweiligen Land besonders häufig genutzt wird.
• Google kooperiert beispielsweise nicht mit Facebook, ist allerdings die meistgenutzte Suchmaschine in Deutschland und in der Schweiz, was für SEO natürlich bedeutend ist. Wer als Schweizer zukünftig Social Media Marketing für SEO nutzen möchte, wählt daher besser Twitter, Flickr oder YouTube.
• Je nach Zeitbudget, ist er dennoch zugleich auf Facebook aktiv, weil Facebook als Social Media Plattform in diesen Ländern größte Bedeutung hat und erste Wahl wäre, wenn man SEO Gesichtspunkte einmal völlig außer Acht lässt.
Ganz einfach ist die Auswahl passender Social Media Plattformen also nicht. Sich dennoch einige Gedanken zum Thema zu machen, ist jedoch der erste wichtige Schritt auf dem Weg zu gutem Social Media Marketing. Wer ihn nicht geht, reduziert seine Erfolgschancen teils deutlich.
http://de.brandwatch.com/social-media-monitoring/