(22.5.2011, 12:20) In dieser Woche hielt Intel sein jährliches Analystenmeeting ab. Eines der zentralen Themen dabei war natürlich die Veränderungen im Markt durch Smartphones und Tablets und wie dadurch Intels Marktposition verändert wird. Und natürlich Intels Position gegenüber Microsoft.
Die Industrie war lange von dem Duopol Microsoft/Intel, genannt Wintel, beherrscht. Wintel ist jedoch seit rund 10 Jahren in Vorhandenem erstarrt, es kommt kaum noch Innovation. Das Duopol ist von allen Seiten unter Beschuss geraten: Auf Seiten der Hardware von den ARM-Chips, die in Tablets, Smartphones, Autos, Kühlschränken und noch einer ganzen Reihe weiterer Geräte laufen. Softwareseitig sind die Angreifer Android, Chrome OS, webOS und iOS, sowie im Business Computing Oracle mit Linux und seinem Komplettangebot an integrierter Software und Hardware.
Was tun nun Intel und Microsoft dagegen? Intel hat angekündigt, dass noch im Juni 10 Tablets mit seinen Prozessoren auf den Markt kommen werden und bis Ende des Jahres insgesamt 35 Stück. Microsoft stellt kommende Woche einen Update seines Handybetriebssystems Windows Phone vor. Aber Microsoft verliert laufend Marktanteile bei den Smartphones. Windows 8 soll auch auf ARM Prozessoren laufen. Microsoft bricht damit mit seiner absoluten Ausrichtung auf Intel.
Und Intel und Microsoft sehen sich mit einem Ende des Wachstums im PC-Markt konfrontiert. Am unteren Ende, im Konsumentenmarkt für Netbooks und Notebooks, werden die Tablets heuer immer mehr zum Ersatz. Und am oberen Ende, im Servermarkt, bricht Oracle die Dominanz von Wintel.
Können die Änderungen, die Intel und Microsoft vornehmen, ihre Dominanz sichern? Dazu eine persönliche Erfahrung: Ich habe gestern ein Netbook nach zwei Monaten wieder in Betrieb genommen. Es hat geschlagene 4 Stunden gedauert bis alle Updates installiert waren. Bei Windows hatten sich etwa 160 (!) MB angesammelt. Der Prozessor ist langam, Windows 7 völlig überdimensioniert. Dass diese Kombination auf einem Tablet konkurrenzfähig sein soll, kann ich mir nicht vorstellen.
Intel hat überhaupt keine Erfahrung damit Prozessoren für dedizierte Zwecke bei geringem Stromverbrauch zu designen. ARM begann schon im Jahr 1983 genau damit. Der Österreicher Hermann Hauser brauchte für seinen Acorn, auch als BBC Micro bekannt, einen Prozessor, der genau auf den Zweck zugschnitten war. Daraus entstand die Acorn Risc Machine, wobei RISC für Reduced Instruction Set steht. ARM hat also seit 1983 Erfahrung beim Design von maßgeschneiderten Chips, die wenig Strom verbrauchen und trotzdem viel leisten. Kann Intel diesen Vorsprung von ARM aufholen? Hermann Hauser sagte im Interview mit dem Wallstreet Journal eindeutig Nein.
Intel hat jahrzehntelang rücksichtslos Performance ausgebaut, ohne auf das Rundherum zu achten. Microsoft hat jahrzehntelang seine Software im Umfang aufgeblasen, im Vertrauen darauf, dass die Intel Prozessoren immer mehr Leistung bringen und auch völlig sinnlose Tasks performen können.
Windows hat etwa seit dem Jahr 2000 Tablet-Unterstützung eingebaut. Erst in Windows 7 wurde diese nicht mehr automatisch überall mit installiert – ironischer weise zum Zeitpunkt als der Siegeszug der Tablets begann. Seit XP, also seit etwa 10 Jahren hat sich die Benutzung von Windows laufend verschlechtert. Windows 7 stellt den Tiefpunkt dar. Wenn man so wie ich immer mehrere Fenster gleichzeitig offen und sichtbar hat, wird Windows 7 praktisch unbenutzbar. Die Fenster springen herum und vergrößern oder verkleinern sich völlig sinnlos, will man sie bewegen. Mausbewegungen erfordern oft Umwege um das Ziel zu erreichen. Die neu eingeführten Bibliotheken sind in den meisten Fällen, völlig sinnlos und störend.
Microsoft hat offenbar keine Vision mehr von einer innovativen Entwicklung, die seinen Kunden nutzen könnte. Änderungen werden um der Änderung willen und als Verkaufsargument eingeführt.
In einem Interview mit dem Silicon Insider gibt der Silicon Valley Guru, serieller Entrepreneur, Autor und Professor, Steve Blank, gerade noch sechs Quartale bis zum Zusammenbruch. Er meint, dass Microsoft nur mehr von der Massenträgheit weitergetragen wird und dass Steve Ballmer eine miserable Fehlbesetzung ist, der nur wegen seiner Freundschaft zu Bill Gates noch nicht gefeuert wurde. Er meint Stephen Elop könnte nach dem erwarteten Kauf von Nokia neuer CEO werden und das Steuer herumreißen.