Paid Content, Apps, Geschäftsmodelle für Medien

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Paid Content keine Lösung

 

Paid Content bringt laut UK-Studien nur ein Viertel der Print-Erlöse. Auch Wikipedia Gründer Jimmy Wales hält nichts von Paid Content.

(Wien, 5.9.2010) Was sich an den Voraussetzungen für die Geschäftsmodelle von Medien ändert habe ich in einem Kommentar hier zusammengefasst. Die großen Medien- und Verlagshäuser unternehmen immer wieder Versuche zumindest Teile des Content hinter einer Bezahlschranke (Paywall) zu verbergen um auf diese Art im Web zusätzliche Einkünfte zu lukrieren.

 

Für welchen Content sind wir bereit zu zahlen

Im Grunde besteht nur für solchen Content Zahlungsbereitschaft, der nirgends anders zu finden ist, Content, an dem also Knappheit herrscht. Davon haben bisher aber nur das Wallstreet Journal und - eingeschränkt  - The Times profitieren können. Im geringeren Ausmaß besteht die Bereitschaft zur Zahlung auch für sehr lokale oder hoch spezialisierte Inhalte. Ein Beispiel für Spezialisierung und Communitybildung bietet das Portal von Walter Reiterer Football-Austria, wo man für 2,25 Euro pro Monat Zugriff auf alle Details und Videos erhält. Wo jedoch Überfluss herrscht, Information also über mehrere Kanäle oder Medien verfügbar ist, tendiert die Zahlungsbereitschaft gegen Null. Je teurer das Medium, desto teurer (vermeintlich wertvoller) war auch die Information - Steinstele, Tontafeln oder Papier kosten eben mehr als ein paar Bytes im Netz, also als Information in ihrer reinen digitalen Form.

 

Das Ertragspotenzial von Paid Content

In einer interessanten Analyse setzt sich die Site paidContent:UK mit dem Ertragspotenzial voraus. PaidContent stellt fest, dass auch die Premium Medien WSJ.com und TheTimes.co.uk für Online Content nur ein Viertel dessen einnehmen, was für die Print Publikationen zu erzielen ist. Das Abschalten der Druckpressen würde zwar ein Viertel der Kosten einsparen, aber es bleibt dennoch eine ziemliche Finanzierungslücke. Selbst wenn man die Umsätze aus den Subskriptionen am iPad, für die derzeit (!) noch das Fünffache erzielt wird, dazu zählt, würde nicht mehr als ein Drittel der Einkünfte durch Print erzielbar sein. Dazu kommt noch, dass Schaltagenturen negativ auf die Paywalls reagieren und dahinter nicht mehr schalten wollen.

 

In eine ähnliche Kerbe schlägt Wikipedia Gründer  Jimmy Wales in einem Interview mit Associated Press. Er hält nichts von Paywalls, glaubt aber, dass via Apps auf iPhone, Android und iPad Erträge erzielbar seien. Das Problem seien aber noch die nicht sehr weit verbreiteten Micropayment-Systeme. Apple hat ein Micropayment System, das auch App-Erzeuger für In-App-Payments nutzen können. Damit werden Impulskäufe ermöglicht und unterstützt. Deshalb meint Wales, dass Apps auch für Medien neue Chancen eröffnen könnten.

 

TechCrunch schreibt, dass Google ein vereinheitlichtes Micropayment System in Arbeit habe, das ähnliches für Web-Content am Desktop ermöglichen könnte. Aber es ist ziemlich unklar, ob und wann ein solches System kommt. Solche Gerüchte höre ich immerhin schon seit rund 12 Jahren, zuerst, wenn ich mich recht erinnere, von der Suchmaschine Alta Vista, einer Tochter von Digital Equipment.

 

Weitere negative Folgen von Paywalls

Übrigens: Eine der effektivsten Methoden zur Vertreibung von Konsumenten ist die Vergebührung von Archiven. Man kommt erst nachher drauf, ob das was man gekauft überhaupt irgendeinen Wert hat. Aber offenbar war es den Verlagen bisher egal, ob jemand auf das Archiv zugreift oder nicht, denn damit wird ohnehin nicht die Mehrzahl der Impressions erzielt. Das Modell folgt genau dem klassischen System der Bezahlung von Medium: der Konsument zahlt vor dem Konsum.

 

Die Positionierung der Bezahlschranken vor dem Konsumenten haben noch einen anderen negativen Effekt: Sie trennen den Inhalt von der Verbreitung durch den Konsumenten, genau das, was im Social Media Umfeld eine immer größere Rolle spielt.

 

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