(01.11.2011, 17:15) Die Geschichte von Orange ist von Wechselfällen geprägt. Die ursprünglichen Eigentümer waren ein Konglomerat von Unternehmen, die sich gegenseitig behinderten. Mit 50,1% war der Energiekonzern E.ON im Jahr 1998 in den vermeintlichen Zukunftsmarkt eingestiegen. Die Mobilfunker Telenor, Orange und Tele Danmark teilten sich in den Rest und stellten auch mit dem Dänen Jørgen Bang-Jensen den CEO.
Im Sommer 2007 wurde das Unternehmen mehrheitlich (65%) vom Venture Fonds Mid Europa Partners übernommen und Orange stockte auf 35% auf. Für den Finanzinvestor war ein baldiger Exit geplant, der aber offenbar bis heute nicht glückte. Orange hatte aber offenbar gar keine Lust den hartnäckig auf der Nummer 3 Position grundelnden Mobilfunker zur Gänze zu übernehmen.
Seit Mitte 2008 gab es immer wieder Gerüchte, dass One/Orange den Konkurrenten am österreichischen Markt 3/Hutchison erwerben möchte. Nun scheint aber wie jüngst kolportiert das Umgekehrte in Gang zu sein. Wie berichtet wird, soll es schon vor einigen Wochen mit einer genauen Buchprüfung begonnen worden sein und demnächst soll es zu einem konkreten Angebot kommen.
Bei Orange besteht meiner Meinung nach auch dringender Handlungsbedarf, da dieses Unternehmen das deutlich schlechteste Netz hat und demnächst größeren Investitionsbedarf hätte. Und das würde die Verkaufschancen wahrscheinlich weiter senken. Rechts ein Screenshot nach einer Netzsuche heute in der Früh in Klöch, Steiermark. Orange hat dort praktisch keine Netzabdeckung, weniger jedenfalls als slowenische Mobilfunker.
Durch die Zusammenlegung von 3 und Orange würden drei halbwegs gleichstarke Unternehmen entstehen. Durch das sehr gut ausgebaute Netz von 3 würde das weit schlechtere von Orange bedeutungslos und durch die Zusammenlegung der Marktanteile käme man zusammen auf rund 28% (Quelle Telekom Monitor 3/2011 der rtr GmbH) kommen und das gemeinsame Unternehmen würde damit knapp auf T-Mobile heranrücken.

Jedenfalls kann man heute schon sagen, dass der Plan des Finanzinvestors durch Wertsteigerungen ordentlich zu verdienen gescheitert sein dürfte, und damit auch die Mission und Idee des Orange CEO Michael Krammer, der als Berater von Mid Europa Partners bei der Akquisition von One gewirkt hatte. Offenbar hatte Krammer vor seine Erfolgsgeschichte von tele.ring zu wiederholen.
Damals wurde kolportiert, dass Krammer die MEP-Beteiligung mit einem sechsstelligen und die Co-Geschäftsführerin (Chief Sales Officer) Sabine Bauer mit einer fünfstelligen Summe mitfinanziert haben. Um die Wertsteigerung zu erreichen, wäre eine Zunahme des Marktanteiles auf etwa 30% nötig gewesen. Damals hatte One rund 20% im Sprachmarkt und lag im Datenmarkt auf Platz 4 hinter 3. Nach den Daten der rtr (siehe Grafik oben), ist Orange sogar noch zurückgefallen und hält nun nur mehr bei 18,7%. Offenbar ist das Vorhaben also gescheitert und der Verkauf an 3 so etwas wie ein Not-Exit um sich die dringend nötugen Investments in das Netz zu ersparen.