(7.5.2011, 14:30) Anfang Februar hatte Nokias neuer CEO der Kanadier und Ex-Microsoft Executive Stephen Elop in einem internen Mail das Bild von der brennenden Plattform Nokia gezeichnet. Aus den Marktentwicklungen war das auch tatsächlich ablesbar, denn Nokia verlor laufend Marktanteile.
Doch die Ankündigung der Allianz mit Microsoft war wie Öl ins Feuer gießen. Der Verlust von Marktanteilen hat sich dadurch deutlich beschleunigt. Denn die Entscheidung führte zu einem Vertrauensverlust selbst treuer Kunden von Nokia. Mich haben danach viele Leute angerufen oder angesprochen, was sie nun an Stelle eines Nokia Gerätes kaufen sollen.
Elop hat kaltblütig 7.000 Mitarbeiter von der brennenden Plattform ins eisige Meer gestoßen. 4.000 davon werden gänzlich abgebaut und 3.000 sollen zu Accenture outgesourct werden. Damit hat sich Nokia jeden Weg in eine selbständige Zukunft verbaut, denn es hat nun keine Kapazität mehr für eigene Entwicklungen.
Hier haben sicher die Finanzer nach amerikanischen Management Methoden agiert. 7.000 Leute weniger reduziert die Kosten um X, also steigt der Gewinn um Y. Was allerdings im Spreadsheet als Formel fehlt ist sowas wie „wenn“ das Kundenvertrauen verloren geht „dann“. Dann sinkt eben der Umsatz, und das frisst bei Nokia wahrscheinlich einen Großteil der Einsparungen auf. Abgesehen davon fehlt jetzt die Kapazität wieder auf einen Wachstumspfad zu kommen.
Sehr fragwürdig ist auch ganz offensichtlich die Entscheidung Pro-Windows. An der Plattform fuhren offenbar mehrere Schiffe vorbei. Das schöne große Android-Schiff und das langsam sinkende Windows-Schiff, das sogar bereit war für's Mitnehmen zu zahlen. Alle Zahlen zeigen, dass Windows laufend Marktanteile verliert und nicht mit Apple und schon gar nicht mit Android konkurrieren kann. Nokia hat sich entschieden von der brennenden Plattform auf das sinkende Schiff zu springen. Ob die Rest-Nokia noch schwimmfähig genug ist den Untergang des Schiffes zu verhindern, wird sich erst zeigen.
Noch dazu bringt Nokia die ersten Windows Handys erst Ende dieses, Anfang nächsten Jahres auf den Markt. Microsoft ist viel langsamer mit seinen Releasezyklen als Google oder Apple. Dazu kommt noch, dass nun in Windows Phone die gesamte Anbindung an die Enterprise Umgebung wie .Net von Microsoft integriert werden soll. Es ist absehbar, dass damit alles noch langsamer gehen wird. Und wenn ein Schiff bei hohem Seegang keine Fahrt mehr macht, schlägt es bei der nächsten großen Welle quer und geht unter. Und mit ihm Nokia. Ob da nicht Löschversuche des Feuers auf der Plattform aussichtsreicher gewesen wären?