Netzneutralität, DPI, Google, Apple, Verizon, Amazon

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Netzneutralität versus Monopol

 

In jüngster Zeit häufen sich die Versuche von Google, Apple, Verizon & Co, das Netz unter ihre Kontrolle zu bekommen. Dagegen formiert sich immer stärkerer Widerstand.

(Wien, 13.08.2010) Die Telekoms dieser Welt suchen seit langem nach zusätzlichen Einnahmequellen. Sie argumentieren, dass der Ausbau der Infrastruktur nur durch zusätzliche Einnahmequellen finanziert werden könnte. Und fanden damit offene Ohren bei Google, Apple und Co.

 

Google verhandelt nun seit zehn Monaten mit Verizon über die Abschaffung der Netzneutralität. Der Suchmaschinengigant bietet Zahlungen für den schnelleren Transport seiner Inhalte insbesondere für die Auslieferung von YouTube-Videos. Bisher ist es so, dass alle Inhalte gleich, also neutral, behandelt werden. Inhalte von YouTube werden genauso schnell (oder langsam) zugestellt wie von kleineren Anbietern wie etwa Vimeo. Wenn sich YouTube eine schnellere Zustellung erkauft, dann haben alle Kleineren und natürlich die Startups einen gravierenden Nachteil.

 

Innovation und Konsumentenfreundlichkeit 

Genau diese Neutralität gegenüber den Inhalten hat aber die Innovationskraft und Konsumentenfreundlichkeit des Internet bisher ausgemacht. Es zahlen die Konsumenten die gesamten Kosten für das Internet über Ihre Zugangsgebühren – mehr für schnellere Anschlüsse und weniger für langsamere. Eine Entlastung der Kunden durch eine Kostenübernahme durch Google, Amazon und Co wäre nur eine scheinbare, denn klarerweise würden diese ihre Kosten auf die Produkte, die sie liefern, aufschlagen und es zahlt wieder der Konsument. Aber in der Folge, wenn es ihnen gelingt, unliebsame Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen und monopolartige Zustände entstehen, dann hätten sie es in der Hand die Preise beliebig zu erhöhen.

 

Eine weitere absolut negative Begleiterscheinung wäre, dass die Unternehmen an der gesamten Auslieferkette in die übertragenen Inhalte hineinschauen müssten, um eben die bezahlten Lieferungen priorisieren zu können. Das wird DPI – Deep Packet Inspection – genannt. Derzeit werden an allen Netzknoten, die Datenpakete ohne Ansehung des Inhaltes weiter geleitet.

 

Die Rolle der Lieferanten
Interesse an einer derartigen Umformung des Netzes haben natürlich auch die Lieferanten von Netzwerkkomponenten. Denn die Priorisierung kann nur erfolgreich funktionieren, wenn die DPI an der gesamten Kette erfolgt, bis hin zum so genannten CPE – Consumer Premise Equipment. Der Vision, die George Orwell in seinem Buch 1984 niedergeschrieben hat, wäre damit Tür und Tor geöffnet – Big Brother is watching you. Und dass es solche Tendenzen gibt, lässt sich am Beispiel von Saudi Arabien, China, Iran, Indien und anderen Ländern jetzt schon beobachten, wenn sie die Inhalte von Mails an BlackBerrys lesen können wollen, oder die Inhalte von verfügbaren Websites staatlicher Kontrolle unterwerfen.

 

Die Politik von Apple
Einen Vorgeschmack gibt auch Apple mit seiner Politik, die Inhalte der am iPhone/iPad verfügbaren Inhalte zu kontrollieren. Apple hat tatsächlich für seine User bereits die Netzneutralität abgeschafft, indem es die Inhalte seines App Stores kontrolliert und den Zugriff auf andere als die eigenen Apps verhindert. Und natürlich dadurch, dass bestimmte Tools wie Flash nicht auf den Geräten zur Verfügung stehen. Was also Apple User zu sehen bekommen, wird durch die religiösen Ansichten des Apple Managements eingeschränkt.

 

Kartelluntersuchung
Die EU hat sich kürzlich einer Kartelluntersuchung der Federal Trade Commission angeschlossen, die die Beschränkungen im App Store und auf den Endgeräten zum Ziel hat. Im Mittelpunkt des im Juni eingeleiteten Verfahrens sollen die im Mai neu eingeführten Nutzungsbedingungen für Apples App Store stehen. Darin werden bestimmte Entwicklerwerkzeuge verboten, mit denen Anwendungen plattformübergreifend nicht nur für das iPhone, sondern auch für Geräte von Mitbewerbern erstellt werden können. Dazu gehören Adobes Flash-Technologie, Novells Mono Touch und die Spiele-Engine Unity 3D.

 

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