Job 2.0 hat hohen Stressfaktor

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Job 2.0 hat hohen Stressfaktor

 
 

Die Arbeitswelt von heute ist stark von einer "Always on"-Mentalität geprägt, mit der ein Verschmelzen von Privat- und Berufsleben Hand in Hand geht. Expertinnen und Experten diskutierten über Chancen und Stolpersteine: wichtig ist Balance im Chaos.

(25.02.2011, 14:06) Die rasanten Veränderungen in der Arbeitswelt - getrieben vor allem von der Informationstechnologie - und das Verschwimmen von Berufs- und Privatleben machen eine völlig neue Unternehmenskultur notwendig. Nur so könnte die Produktivität des Einzelnen gesteigert und gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit erhöht werden, waren Expertinnen und Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community am Donnerstagabend, in Wien überzeugt.

"Alle elf Minuten werden wir durch eintrudelnde E-Mails, Telefonate oder Kollegen unterbrochen. Danach machen aber 40 Prozent der Mitarbeiter etwas anderes als zuvor, wodurch massive Produktivitätsverluste auftreten", erklärte Josef Herget, Leiter des Zentrums für Wissens- und Informationsmanagement an der Donau-Universität Krems. Die "Always on"-Mentalität nehme zu und die Krankheitstage wegen Burn-out hätten sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

 

Produktivität steigt auf Kosten der Menschen

"Dieser Trend scheint nicht abzunehmen. Irgendwas läuft da falsch.

Wir sind produktiver geworden, aber in vielen Bereichen auf Kosten der Menschen", so Herget. Die Arbeit verfolge uns in die Freizeit. Erholungsphasen würden durchlöchert oder seien gar nicht mehr vorhanden. Die Autonomie im Büro gehe zurück, weil technische Systeme den Arbeitsablauf bestimmen und Wissens- zu Fließbandarbeitern machen würden. "Die totale Kontrolle ist - zum Beispiel im Call Center - Realität, wenn auf die Sekunde ausgewertet werden kann, wer wie viele Gespräche wie lange geführt hat", sagte der Experte.

 

Um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen, müsste man ihnen mehr Autonomie zugestehen - "also wann mache ich was und wie"? Außerdem gehe es um Kompetenzerweiterung durch eine Zusammenarbeit über die Abteilungsgrenzen hinaus. Dadurch könnte ein gewisser Expertenstatus erworben werden. Drittens müssten die Arbeitnehmer das Gefühl haben, etwas zu tun, was Sinn macht, meinte Herget. Dann würden neue Technologien am Arbeitsplatz sowohl die Produktivität als auch die Arbeitszufriedenheit erhöhen.

 

Nicht angeschafft, aber eingebürgert

Betriebe und Führungskräfte müssten sich dazu schleunigst etwas überlegen, sagte Silvia Hruska-Frank von der Arbeiterkammer. "Auch wenn es nicht angeschafft wurde, hat sich da viel eingebürgert. Welcher Chef hat früher am Wochenende am Festnetztelefon angerufen und ist davon ausgegangen, dass sofort abgehoben oder zumindest zurückgerufen wird?", so Hruska-Frank. Die permanente Erreichbarkeit könne auch gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Außerdem passe die finanzielle Gegenleistung zumeist nicht dazu, "dass Arbeitnehmer oft nicht einmal wissen, wann sie eigentlich Freizeit haben". Die technologische Entwicklung biete aber durchaus auch Vorteile, zum Beispiel wenn sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Effizienz und damit die Zufriedenheit im Job verbessere.

 

"Die Unternehmen haben ja ein Interesse daran, dass die Mitarbeiter nicht ausbrennen. Die Gefahr wird aber größer", meinte Gerhard Laga von der Wirtschaftskammer Österreich. Das müssten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer erkennen und gemeinsam Richtlinien erarbeiten, um Klarheit und Transparenz über Erwartungen und Verantwortlichkeiten zu schaffen. "Wenn neue Werkzeuge eingeführt werden, müssen auch alte wegfallen. Sonst findet eine Überforderung statt", so Laga.

 

Wie lauten die Spielregeln?

"Die Technologie haben wir. Aber der Umgang damit ist die Herausforderung. Wie lauten die Spielregeln für die Nutzung, wie funktioniert das?", fragte Alexandra Moser von Microsoft Österreich. Schließlich hätten sich die Ansprüche und die Erwartungshaltung an die Mitarbeiter und an das Büro aufgrund von verschwimmenden Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben geändert.

Sie sieht mehr Video- bzw. Telefonkonferenzen, gemeinsames Arbeiten an einem Dokument, auf das von überall zugegriffen werden kann, und einen anderer Managementstil auf uns zukommen. Außerdem müssten neue Arbeitnehmer-Rechte in Einklang mit der wirtschaftlichen Realität gebracht werden, dürften den Mitarbeitern aber keine Nachteile einbringen.

 

"Die große Herausforderung auf dem Weg in Richtung Enterprise 2.0 liegt nicht auf einer technischen Ebene, sondern primär auf der Ebene der Unternehmenskultur", gab sich auch Peter Rass von der A1 Telekom Austria AG überzeugt: "Man muss den Mitarbeitern Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringen." Ziel sei, Know-how zu verknüpfen.

Früher habe man versucht, Wissen aus Personen mittels Software und Datenbanken zu extrahieren. Das sei grandios gescheitert. Der Einsatz neuer Kommunikationstechnologien ermögliche es, auch Mitarbeiter in virtuelle Teams einzubinden, die nicht am selben Ort agieren, ergänzte Robert Ludwig vom Systemintegrator NextiraOne. Wichtig sei für Mitarbeiter wie auch Führungskräfte, den Überblick und die Balance zu wahren, damit chaotische Zustände vermieden werden.

 

Die Plattform

Soziale Netzwerke, mobiles Marketing und Software als Dienstleistung: Die IT-Welt dreht sich immer schneller. Die seit 2001 existierende E-Business-Community (EBC) hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Wissen über aktuelle Themen aus der Branche zu vermitteln und Geschäftskontakte zu erleichtern.

Veranstaltet von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen Content und redaktionelles Outsourcing, bildet die EBC ein schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business. Monatliche Veranstaltungen, bei denen sowohl Impulsreferate als auch Fachvorträge und Podiumsdiskussionen Platz haben, bilden die ideale Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

 

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