(20.01.2012; 12:00) Auf Gigaom, einem Online-Medium, wurde über die Entwicklungen bei Kodak diskutiert. Neue Ideen kommen in großen Wellen aus Silicon Valley auf die viele kleine Wellen folgen. Als Unternehmen muss man nur eine dieser Wellen reiten, je nachdem wie kühn die Idee ist, die man auf den Markt bringen möchte und wie sehr man bereit ist, ein Risiko zur Förderung der Idee einzugehen. Wenn man nicht auf diese Wellen aufspringt, hat man eine Chance verpasst, die dem Unternehmen vielleicht viel mehr Schaden könnte, als man glaubt.
Kodak konnte diese Wellen auch nicht für sich nutzen und man sieht, wo das hingeführt hat. Doch der Bankrott von Kodak ist zwar traurig und schockierend, kommt aber nicht sehr überraschend. Viele Menschen haben beobachtet, wie das Unternehmen seinen freien Fall vor Jahren angetreten hat. Der Economist hat eine Vielzahl von Gründen aufgeführt, was bei dem Unternehmen schief gelaufen ist. Der zentrale Punkt dieser Zusammenfassung ist, dass man nicht gegen die Zukunft ankämpfen kann.
Einmal waren sie groß
Unternehmen, die einst groß waren, haben es nicht geschafft, sich an die neue Realität anzupassen und daher sind sie zurückgefallen. Xerox, das einst Vorreiter in der Fotokopie-Industrie war, ist heute ein kleiner Akteur auf dem Bereich seiner Kernkompetenz, dem Dokumenten-Management. AT&T waren einmal eine riesige Festnetz-Telefongesellschaft, die kontrolliert hat wie miteinander kommuniziert wird. Heute ist es nur noch ein Handy-Anbieter und eine kleine Komponente der Kommunikationsbeeinflussung. Diese Entwicklung ist eingetreten, weil die Kommunikation sich seither zu einer neuen Netzwerkform entwickelt hat und nicht mehr durch minutengenaue Abrechnung begrenzt ist.
Der lange Fall
Kodak befand sich seit über 15 Jahren im Umstrukturierungsmodus. Es wurden Mitarbeiterzahlen gekürzt, Fabriken geschlossen, der Gürtel enger geschnallt und versucht, aus jeder Ecke etwas herauszuholen. Es stellt sich nur die Frage, warum die Maßnahmen, die das Unternehmen gesetzt hat, nichts genutzt haben. Die Antwort auf diese Frage ist, dass Kodak zu lange gebraucht hat, um sich anzupassen. Das Unternehmen hat die Entwicklung der digitalen Fotographie beobachtet und hat nicht entsprechend darauf reagiert. Interessant daran ist, dass das Unternehmen der digitalen Foto-Revolution mit der ersten digitalen Kamera 1975 auf die Sprünge geholfen hat.
Dem Unternehmen ist es trotzdem nicht gelungen, dass umzusetzen, was einem der wichtigsten Konkurrenten, nämlich FujiFilm, gelungen ist. Der Konkurrent hat sich auf die digitale Technologie gestürzt und davon profitiert. Das Unternehmen hat erkannt, auf welche Welle es aufspringen muss, um etwas erreichen zu können. Als sich Kodak 1993 schließlich doch dazu entschieden hat auf die digitale Technologie zu setzten, hat es Zurückhaltung an den Tag gelegt, weil es Angst hatte, dass dies dem Unternehmen mehr schaden als helfen könnte.
Heute experimentiert Kodak mit Druckern, kommerziellen Druck und anderen Dienstleistungen um neue Wege zu finden, die das Unternehmen nach vorne bringen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass diese neuen Wege als Allheilmittel gesehen werden können. Vor allem, da andere Unternehmen wie HP, Canon und Lexmark maßgebenden die Druck-Ambitionen von Kodak beeinflussen. Selbst wenn es gelingen sollte dem Druck von außen standzuhalten, wird es nicht mehr dasselbe Kodak wie früher sein. Dieses Unternehmen könnte man dann eine Kooperation nennen, die einmal als Kodak bekannt war.
Kodak hat genauso wie andere Unternehmen, die auch gescheitert sind, einen fatalen Fehler begangen. Das Unternehmen hat den wahren Zweck des Geschäfts vergessen und sich stattdessen zu sehr auf Features, SKUs und seine Produkte konzentriert. Kodak hat sich selbst weiter über "Film" definiert, obwohl sie sich über "Fotos" oder "Momente" hätte definieren sollen.
Wen interessiert es, ob die Fotos auf einem Slide gedruckt sind, in Alben eingeklebt sind, über digitalen Kameras zugänglich sind oder online geteilt werden können, viel wichtiger ist der "Kodak Moment", der das Unternehmen gestärkt hätte. Von diesem Blickpunkt aus wäre es für das Unternehmen eine einfache Entscheidung gewesen, die neuen Technologien zu adaptieren, um diese als Kundennutzen zur Verfügung zu stellen. Doch dies ist leider nicht geschehen und das Resultat daraus ist der Bankrott des Unternehmens.
Wer kommt als nächster?
Es lassen sich viele Lehren aus dem Versagen von Kodak, sich Anzupassen, für heutige Unternehmen ziehen. Das Online-Medium hat eine interessante Frage aufgeworfen: Ist Nokia das nächste Kodak? Das Unternehmen selbst erhofft sich sicher nicht die Nächsten zu sein, doch wirken sie wie ein gebührender Nachfolger. Das interne Team von Kodak hat sich gegenüber der Führung für die Umstellung auf die digitale Technologie ausgesprochen, wurde aber ignoriert. Ähnlich ging es bei Nokia zu, denn die Experten haben sich vermehrt für internetzentrierte, auf Touch-Basis und App betriebene mobile Geräte ausgesprochen, wurden aber nicht gehört. Als Beispiel muss man sich nur an das Nokia 770 erinnern.
Dieses Gerät hätte die neue Zukunft von Nokia sein können, doch es wurde links liegen gelassen und vergessen. Nokia definierte sich durch eine bestimmte Produktart, das 12 Tasten Telefon. Die Menschen bei Nokia haben über einen mobilen Multimedia Computer diskutiert, aber sie konnten sich diesen nicht mit 12 Tasten vorstellen. Es wurden Apple und Google benötigt um Nokia zu demonstrieren, wie man das Telefon neu erfinden konnte. Die beiden Unternehmen haben auf diese Weise definiert, was sich die Kunden von einem Smartphone erwarten und wie Hunderte Millionen Menschen ein Smartphone sehen. Die Adaption dieser Technologie könnte sich nun als zu spät für das finnische Unternehmen erweisen.
Natürlich ist Nokia eine Marke mit globaler Präsenz und einem beträchtlichen Marktanteil, doch darüber verfügte Kodak auch. Es dauerte 132 Jahre, wobei die letzten 15 Jahre am Entscheidendsten dafür waren, dass das große Foto-Film-Unternehmen gesunken ist. Kodak hat einfach die für sie wichtige Welle verpasst. Nokia hingegen kann keine weiteren 15 Jahre so weiter machen, denn gerade der Smartphone-Markt ändert sich sehr schnell und der Aufholbedarf ist enorm. Es stellt sich nur die Frage, ob es überhaupt noch möglich ist, dass das finnische Unternehmen aufholen kann.