(25.7.2011, 12:00) Google verlangt, dass du dein Google Konto mit deinem echten Namen betreibst. Das war bisher jedem so ziemlich egal, denn bei der Anmeldung von Android konnte man völlig beliebig agieren und sonst war das Google Profil ohnehin nutzlos. Mit der Ankunft von Google+ ändert sich das Bild allerdings und Google beginnt nun seinen Wunsch nach echten Namen rigoros durchzusetzen. Namen, die offenbar nicht echt sind, werden derzeit v.a. in den USA massenhaft gelöscht.
Nun ist natürlich eine Diskussion darüber ausgebrochen, ob es in Ordnung ist, wenn Google auf echten Namen besteht, was im Prinzip übrigens auch Facebook macht, wenn es auch nicht so rigoros durchgesetzt wird. Nur Twitter verhält sich dabei völlig liberal und macht keinerlei Namensvorschriften, wohl auch wegen der Beschränkung auf 140 Zeichen.
Die Position der Befürworter des richtigen Namens geht in etwa so: Warum denn nicht den richtigen Namen angeben? Das muss ich in jeder Frühstückspension, wenn ich dort übernachten will. Ich finde es gut, dass es einen Anbieter gibt, der Wert darauf legt, dass man sein echtes Profil zeigt. Im ganz normalen Geschäftsalltag ist das schon angenehm.
Die Argumentation hat durchaus etwas für sich. Solange es um’s Geschäftsleben geht. Erfasst sie aber alles? Wir werden sehen.
Eine andere Argumentationslinie geht in diese Richtung: Wer anonym im Netz unterwegs sein will, sollte die Finger von Social Networks lassen. Die Argumentation wird dann mit der Ökonomie weitergeführt, dass die Zuckerberge und Page ihre Netzwerke ja zum Zwecke des Geldverdienens machen und das können sie eben besser, wenn sie genau wissen, wer sich bei ihnen herumtreibt.
Diese Argumentation hat ebenfalls einiges für sich. Beide stützen sich im Prinzip auf „Du musst dich ja nicht in SM herumtreiben.“
Aber diese Prämisse ist leider falsch. Denn die sozialen Netze haben bereits eine Monopolstellung. Will ich digitalen Kontakt zu meiner sozialen Umwelt haben, muss ich hierzulande in Facebook/Google+ sein, in Russland in VKontakt und in China in Qzone. Und Monopolen kann, ja muss man bestimmte Verpflichtungen auferlegen.
Grundsätzlich haben wir ein Menschenrecht auf unbeobachtete Kommunikation und Freiheit der Gedanken. Und wenn die Zuckerberge und Page ausziehen und uns erklären, dass E-Mail old school ist und heute über FB und Google-Dienste kommuniziert wird, dann möchte ich auch das unbeobachtet tun können. Das geht aber natürlich nicht und wenn dann nur unter Pseudonymen und das auch nur eingeschränkt. Und ich lasse mich eben dann nur von denen finden, die meine Pseudo-ID kennen. Übrigens, vor Werbung bin ich damit noch lange nicht sicher und damit können die Netze durchaus meine Anwesenheit monetarisieren.
Als ein weiteres Argument möchte ich ins Treffen führen, dass manche „Berufs“gruppen zusätzlichen Schutz brauchen und zum Teil auch gesetzlich zugesichert haben. Dazu gehören Ärzte, Priester, Anwälte und Journalisten und in einem noch weiteren, aber bestenfalls in Island gesetzlich gedeckten Sinn, auch Whistleblower, Wikileaker, Hacker und ähnliche.
Und hier melden sich bei mir leise Zweifel, was hinter Googles rigoroser Vorgangsweise steckt. Die Homeland Security der USA ist ja bekanntlich nicht sehr happy darüber, dass sich im Netz viele unter Pseudonymen herumtreiben. Ob da nicht ein Zusammenhang besteht?
Übrigens ist noch eine Gruppe betroffen, nämlich die Künstler. Warum muss sich nun Franzobel als Franz Stefan Griebl eintragen? Ja er kann ja eh in seinen Profilen seinen Künstlernamen unter „Weitere Namen“ eingeben, lautet dann ein Gegenargument und ja, es kommen eh die Unternehmensseiten das andere. Aber ich sehe trotz allem keinen vernünftigen Grund, warum er nicht als Franzobel in G+ und FB sein darf. Übrigens hat FB einmal ein Bild vom Niavarani als sexistisch entfernt – er hatte eine nackte Schaufensterpuppe im Arm.