Fragliche Definition: Aktiver Nutzer auf Facebook

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Fragliche Definition: Aktiver Nutzer auf Facebook

 
 

Bei Facebook gelten auch jene Nutzer als aktiv, die auf Drittseiten mit Facebook-Integration Aktionen durchführen. Somit kommt das Unternehmen zu der hohen Zahl aktiver Nutzer. Diese Zahl spielt insbesondere für die Börsenbewertung des Unternehmens eine Rolle.

 

(07.02.2012, 11:00) Auf der ersten Seite der Börsenperspektive Facebooks wird zunächst auf die hohe Nummer von aktiven Usern hingewiesen, welche bereits mit 845 Millionen beziffert wird. Auch im Hinblick auf die täglichen aktiven Nutzer ist die Zahl beeindruckend: 482 Millionen Menschen sollen das Netzwerk täglich in Gebrauch haben.

Obwohl Facebook mit Sicherheit das weltweit beliebteste soziale Netzwerk ist, ist es dennoch schwer zu glauben, dass tatsächlich so viele Menschen tagtäglich auf facebook.com klicken. Und tatsächlich: Sie tun es auch nicht. Die enormen Nummern sollen vielmehr mit einem Sternchen versehen sein, da sich bei der Definition von „aktiven Nutzern“ Probleme ergeben.

Auf Seite 44 des Börsenprospekts des Netzwerks findet sich gerade diese Definition, wobei als aktiver Nutzer zum einen jeder gilt, der sein Facebook-Profil aufruft, sei es über ein mobiles Gerät oder über den Stand-PC. Als aktive Nutzer gelten zum anderen aber auch all jene, die „eine Aktion zum Teilen von Inhalten oder einer Aktivität mit den Facebook Feunden“ vornehmen und zwar auch dann, wenn dies über eine fremde Seite, die eine Facebook-Integration vorsieht, geschieht. Somit loggen sich nicht 482 Millionen Nutzer pro Tag tatsächlich bei Facebook ein.

Das bedeutet aber auch, dass man immer dann, wenn man den „Gefällt mir“-Button anklickt, ein aktiver Nutzer ist. Als solcher wird man auch miteinberechnet, wenn man etwa eine Twitter-Nachricht auf Facebook oder Musik über Spotify teilt. Selbst wenn man einen Artikel auf einer Fremdseite liked und dieses automatisch auf dem Facebook-Profil gepostet wird, zählt man als aktiver Nutzer. Das bedeutet, dass man auch dann als aktiver Nutzer gelten kann, wenn man in Wirklichkeit so gut wie keine Zeit im Portal verbringt.

Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Bewertung des Unternehmens. Wenn Facebook angibt 845 Millionen aktive Nutzer zu haben, bedeutet dies für Firmen, dass genauso viele Menschen aucht mit Werbeanzeigen konfrontiet werden und Dienste und Inhalte in Anspruch nehmen. Wenn dem nicht so ist, was wegen der falschen Definiton des aktiven Nutzers der Fall ist, macht Facebook falsche Angaben, welche die Bewertung des Unternehmens ungerechtfertigterweise verbessert.

Dabei stellt sich nun die Frage, wie viele Personen auf Facebook wirklich aktiv sind, also ihr Profil tatsächlich aufrufen.

Im Dezember konnte das Maktforschungsinstitut Nielsen Company, welches die Internnutzung beobachtet, 153 Millionene Unique Users auf der Facebookseite in den USA zählen. Facebook gibt hingegen für diesen Zeitraum 161 Millionen aktive Nutzer an. Wenn man bedenkt, dass die Zugriffe in den USA nur 19 Prozent des weltweiten Geschäfts ausmachen, so kann man davon ausgehen, dass die Nummer derer, die tatsächlich nicht auf Facebook aktiv sind, weit höher ist.

Facebook versucht solche Überlegungen gekonnt zu umgehen, insbesondere im Hinblick auf den bevorstehenden Börsengang und stellt lediglich fest, dass die Zahl von jenen abweichen kann, die von anderen Seiten veröffentlicht werden, da unterschiedliche Methoden zur Berechnung eingesetzt werden.

Das Unternehmen gibt aber zu, dass es durchaus Probleme bei der Messung der weltweiten mobilen Nutzung gibt, da es hier der Fall sein kann, dass Nutzer sich übe ihr Handy unabsichtlich auf Facebook einloggen und als aktive Nutzer gezählt werden, eigentlich aber keine Aktion vornehmen. Alledings geht der Konzern davon aus, dass dies nur auf etwa 5 Prozent der gesamten Anzahl zutrifft.

Facebooks Zählsystem ist aber erstaunlicherweise sogar transparenter als jenes einiger Konkurrenten. Google etwa wurde erst kürzlich dafür kritisiert, überhaupt nur die Zahl registrierter Nutzer zu veröffentlichen, ohne Hinweis darauf, wieviele Nutzer tatsächlich aktiv sind. Auch Twitter warf man Ähnliches vor.

Grundsätzlich ist ein Klick auf einen „Gefällt mir“-Button auf einer Fremdseite auch durchaus wertvoll, sollte also auch gezählt werden. Immerhin erlangt das Unternehmen damit wichtige Informationen, die in Folge für Werbezwecke und für die Schaffung von Zielgruppen genutzt werden können. Auch ist offensichtlich, dass der Facebook-Hype so bald nicht abreißen und die Nutzung immer intensiver wird. Je länger Menschen angemeldet sind, desto höher ist ihre Aktivität.

Die große Frage, die sich für das Unternehmen stellt ist aber wohl, wie es gelingen soll, all die aktiven oder involvierten Nutzer tatsächlich mit Werbeanzeigen konfrontieren zu können. Zur Zeit sehen alle mobilen Nutzer des Netzwerks keine Werbeanzeigen. Dies wird sich aber vorrausichtlich bald ändern. Möglich ist auch, dass auf Seiten von Drittanbietern mit Facebook-Integration ebenfalls Werbung geschalten werden wird, um auch diese Nutzer zu erreichen.

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