(26.9.2011, 07:45) Die neuen Funktionen helfen Facebook offensichtlich noch mehr Daten über seine User zu sammeln — was ja bekanntlich der Geschäftszweck von Facebook ist. Nik Cubrilovic, Entrepreneur und Hacker, hat sich genauer angesehen, was Facebook in den Browsern seiner User ändert. Und das Ergebnis ist wenig erfreulich.
Laut seiner Analyse sammelt Facebook nun auch dann Daten, wenn man sich von Facebook abgemeldet hat. Die einzigen Auswege sind entweder alle Cookies nach der Abmeldung aus dem Browser zu löschen, oder zwei unterschiedliche Browser zu verwenden, einen für Facebook und einen für alle anderen Aktivitäten. Sonst weiß Facebook alles über dein Surfverhalten.
Auch das was Facebook „frictionless Browsing“ nennt hat es in sich. Ich habe mich bei der Guardian App angemeldet um zu sehen, was ich damit an Newsstreams auslöse. Zunächst die Anmeldung:

Dabei kann man gerade noch festlegen, wer seine Aktivitäten zu sehen bekommt. Allerdings zeigt sich gleich rechts im Ticker, dass ich die Guardian App zugelassen habe:

Ich kann aber auch gleich wieder aussteigen:

Aber tue ich das nicht wird gnadenlos jede Seite, die ich aufmache in den Newsfeed meiner Freunde, eventuell auf die Liste eingeschränkt, gepostet:


Wenig angenehm ist, dass man nie wieder findet, welche Liste man gewählt hat und somit auch keine Veränderung möglich ist. Da hilft es auch nicht, die App zu verlassen und sich neu anzumelden, denn dann wird man gleich gar nicht mehr nach einer Liste gefragt. Und klarerweise läuft die Verständigung auch blitzschnell über den Ticker, allerdings ist mir nicht klar, ob auch auf die Liste eingeschränkt, ich vermute aber, dass das nicht der Fall ist:

Interessanterweise gibt es dann auch zwei Ticker, einen in der Seite mit der App, der nur die Anwendung von Apps durch meine FreundInnen zeigt sowie den zweiten „normalen“ Ticker, der in Facebook selbst läuft.
Die neue Organisation der Information
Mir ist mit dem Test mit dem Guardian auch klar geworden, welche Strategie Facebook verfolgt. Mit den Änderungen hat Facebook zunächst den Newsfeed in drei Ströme aufgespalten: Was jetzt aktuell ist, geht in Kurzform über den Ticker. Relevante Geschichten kommen in den Newsfeed und die Historie in die Timeline. Genial dabei ist, dass durch den Overload an Information, den man durch diese Aufspaltung erhält, Muster leichter zu erkennen sind. Das Rezept gegen den Überfluss an Information war also nicht Reduktion, sondern im Gegenteil Vermehrung.
Privatsphäre immer löchriger
Die Privatsphäre ist dadurch allerdings löchriger geworden als ein Emmentaler. Ich sehe im Ticker offenbar alle Likes von meinen FreundInnen sowie das Posting, wo sie liken — allerdings ohne, dass da mit den Betroffenen eine Befreundung besteht. Das heißt, wer Postings zu sehen bekommt, ist völlig unsicher geworden, vorgenommene Einschränkungen wirken nicht mehr.
Und das Auto-Posting ist meiner Meinung nach eine mehr als gefährliche Angelegenheit. Ich bin nicht sicher, ob ich es schätze, dass Hinz und Kunz erfahren, durch welche Artikel ich mich klicke. Aber dabei wird es wahrscheinlich ohnehin bald mächtigen Krach geben.
Es gibt ein altes Sprichwort: „Schreibe nichts nieder, was du nicht bei Gericht verlesen haben willst.“ Das muss man nun offenbar ergänzen durch: „Klicke nicht auf Websites, von denen du nicht willst, dass sie bei Gericht zitiert werden.“
Facebook speichert übrigens weit mehr Daten als sichtbar sind. Wie man von Facebook Auskunft über die gespeicherten Daten erhält, hat Richard Gutjahr hier beschrieben.