(15.7.2011, 13:40) Vor dem 28. Juni wusste niemand etwas über Google+ und es gab keinerlei Berichterstattung dazu. Nach einer Statistik von Sysomos hat Google+ seither mehr als 106.000 Erwähnungen in Blogs, knapp 30.000 Artikel, und 1,9 Million Tweets erfahren.
Von Google explizit als Beta Test angekündigt, braucht man eine Einladung um teilnehmen zu können. Nach Angaben von Googles CEO Larry Page bei der Präsentation der Quartalszahlen heute Nacht, soll Google+ bereits 10 Millionen User haben. Nach Meldungen soll es aber einen deutlichen männlichen Überhang geben und nur 20% der User weiblich sein. Das kann ich so nicht bestätigen, ich bekam meine Invites nämlich sogar von zwei Frauen.
Jedenfalls bilden sich sehr rasch wieder die Communities und die Freunde, die man auf Facebook hat, finden sich auch auf Google+ in rasant wachsender Zahl ein. Und übrigens – auf Facebook posten kann man auch direkt aus Google+ und den eigenen Newsflow sieht man ebenso. Um zu kommentieren, liken oder teilen muss man allerdings aus Plus in Facebook überwechseln.

Das Posten in Google+ kann etwas mehr als in Facebook. Man kann genauso Texte, Links, Fotos oder Videos teilen. Allerdings – man kann steuern, wer was zu sehen bekommt und das hängt mit den Kreisen zusammen. Doch dazu später. Und was ich persönlich besonders mag ist, dass man Postings nachträglich korrigieren und bearbeiten kann. Man kann auch einzelne Beiträge ignorieren (muten). Wenn zum Beispiel eine regelrechte Kommentarschlacht ausgebrochen ist, wird man dann nicht mehr benachrichtigt.
Übrigens – für eine Beta-Version ist Google+ erstaunlich stabil, wesentlich stabiler und zuverlässiger als Facebook. Und was ich übrigens ebenso sehr mag ist, dass die mobile Version in der App genauso aussieht wie die am Computer. In Facebook bekommt man in der App bekanntlich völlig andere Postings und User angezeigt als im Web. Bei Plus ist das ident und soweit ich das bisher sehe auch halbwegs chronologisch geordnet.
Die Kreise
Ein zentraler Bestandteil von Plus sind die Kreise (englisch Circles). In Facebook kann man FreundInnen einer bestimmten Gruppe zuordnen, was aber keine praktischen Auswirkungen hat. Man kann nämlich nicht an eine bestimmte Gruppe posten, oder nur deren Postings sehen. Theoretisch sollte das zwar funktionieren, aber Tests zeigen, dass dem nicht so ist.
In Google+ funktioniert es hingegen offenbar und das sogar sicher. Das Konzept entspricht übrigens genau dem, was bei Diaspora Aspekte genannt wird. Aufgenommen in Kreise werden User einfach durch hineinziehen aus einer Such- oder Vorschlagsliste. Mir schlägt man übrigens die Gründer von Facebook und Google vor.
Und hier funktioniert Google+ auch etwas anders als Facebook und mehr wie Twitter. In Facebook muss eine Freundschaftsanfrage akzeptiert werden, während in Plus dies nicht nötig ist, ja sogar das Folgen durch einen Benutzer nicht verhindert werden kann. Allerdings wird man verständigt, sobald einem jemand in einen Kreis zieht. Zu sehen bekommt man so aber nur öffentliche Postings, die nicht auf Kreise eingeschränkt wurden. Ich habe also Mark Zuckerberg und Sergey Brin in den Kreis „Nur Folgen“ gezogen und sehe nun, was sie posten, aber sie nicht was ich poste.
Nochmal: Ich kann meine Postings öffentlich machen, auf Kreise oder gar einzelne Personen beschränken. Wer mir folgt, sieht nur das was ich als öffentlich poste, schränke ich auf Kreise ein, sehen es nur die, die ich in die Kreise gezogen habe. Umgekehrt kann ich meinen Newsfeed ebenso steuern, indem ich nur die Postings aus einem Kreis anzeigen lasse. Eine Relation wie bei einem Facebook Freund entsteht nur dann, wenn man einander gegenseitig in Kreise zieht.

Im Moment gibt es noch nichts was den Seiten für Firmen oder Marken in Facebook entspricht. Einige Medien haben sich aber trotzdem schon eingerichtet, die man typischerweise auch in den Nur-Folgen-Kreis ziehen wird, wie hier zu sehen:

Ein Twitter-ähnliche Funktionalität bieten auch die Sparks. Damit kann man Interessensgebiete definieren und Google+ serviert die Nachrichten dazu, die Googles Suche findet:

Originell finde ich das Hangout. Damit kann man frei wählbare Kreise zum Videochat anfragen. Allerdings – ich bin nach wie vor nicht davon überzeugt, dass Videokommunikation wirklich genutzt werden wird:

Sehr gut gelöst hat Google+ alles was mit Fotos und Videos zusammenhängt. Bin gespannt, ob Picasa und YouTube damit ersetzt werden bzw. ein neues Frontend bekommen.


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