(4.1.2012, 14:28) Google erwirbt praktisch im Monatsabstand Pakete von Patenten von IBM. IBM ist nach Marktkapitalisierung die Nummer 2 hinter Apple und Google die Nummer 4, knapp hinter Microsoft aber ziemlich deutlich vor Samsung auf Platz 5 und Oracle, der Nummer 6.
Ich frage mich, ob Google und IBM nicht heimlich kooperieren, um vor allem gemeinsam gegen Microsoft vorzugehen. Auch Oracle könnte durchaus gemeinsames Ziel der beiden sein.
Für Google sind Microsoft und Oracle neben Apple die erbittertsten Gegner. Mit Google verbindet Microsoft eine tiefe Feindschaft. Microsofts Umsätze kommen überwiegend aus dem Verkauf von Software an Endkunden und Unternehmen. Deshalb verfolgt Microsoft seit Jahrzehnten alles was noch freier, offener Software aussieht mit allen Mitteln. Google hingegen hat Android als offene Software positioniert und hat damit auch Microsofts mobiles Betriebssystem marginalisiert.
Weitere Treffen zwischen Microsoft finden bei den Suchmaschinen statt - auch hier unterliegt Microsoft spektakulär -, bei den Browsern - hier ist Microsoft dabei zu verlieren -, bei den Applikationen in der Cloud und bei der Online Werbung um nur die wichtigsten zu nennen. Auf all diesen Gebieten ist Microsoft schon unterlegen, oder gerade dabei zu verlieren.
IBM wird Microsoft wahrscheinlich nie vergessen, wie man bei der Gemeinschaftsentwicklung OS/2 hintergangen und allein gelassen wurde. IBM ist das führende Unternehmen im Servermarkt. Der kleinere Teil der Umsätze kommt von Windows Servern, größere Teile von Linux, Unix und IBMs z/OS.
IBM und Oracle stehen einander bei Datenbanken gegenüber, IBMs DB2 ist eine unangenehme Konkurrenz für Oracle. Und seit der Akquisition von Sun sind Oracle und IBM auch noch Konkurrenten im Servermarkt, wobei Oracle aber eher mäßig erfolgreich agiert.
Oracle führt hingegen bekanntlich ebenso den Patentkrieg gegen Google, musste aber jüngst massive Rückschläge hinnehmen, als bereits vier von sechs gegen Google eingeklagte Patente aufgehoben wurden.
Allerdings macht IBM mit seiner Consulting Tätigkeit schon mehr als die Hälfte seines Umsatzes und muss dabei naturgemäß mit Microsoft und Oracle kooperieren. Aber jedenfalls kommt jede Schwächung von Microsoft und Oracle für IBM gelegen. Mit Google hingegen gibt es zumindest im Moment so gut wie keine Reibungspunkte.
Da sich in den vergangenen Monaten gezeigt hat, wie sehr Patente als Waffen eingesetzt werden - wenn auch bisher nur mäßig erfolgreich - und IBM eines der größten Portfolios überhaupt hat, ist es durchaus denkbar, dass IBM seine Patente zur gezielten Unterstützung von Google gegen Microsoft und Oracle einsetzt. Der damit erzielte Umsatz ist sicherlich sekundär neben den strategischen Überlegungen.
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