Im Redaktionstest: Digitales Puppenspiel für die Generation 12+
(Wien, 6.7.2009) Mit der Lebenssimulation "Die Sims" ist Electronic Arts ein Meisterwerk der PC-Unterhaltung gelungen, zählen die ersten beiden Versionen doch zu den meistverkauften Spielen am PC-Markt. Was die dritte Generation der Sims zu bieten hat wurde in einem Redaktionstest unter die Lupe genommen.
Hallo Nachbarschaft
Zu den wohl einschneidendsten Erneuerungen bei Die Sims 3 gehört der offene Nachbarschaftsmodus. Im Gegensatz zu den Vorgängerversionen kann der Gamer direkt vom Sim-Home-Sweet-Home aus in der Nachbarschaft herumspazieren, sich mit dem Taxi chauffieren lassen oder sich gar selbst hinters Steuer setzen. Sportliche Sims können zudem zum Nachbarn joggen oder mit dem Drahtesel fahren. Neben den Nachbarhäusern kann der Gamer seine Sims aber auch zum Einkaufen in das Lebensmittelgeschäft oder zum Relaxen ins Wellness-Center schicken. Als weitere Gebäude stehen den kleinen digitalen Menschen unter anderem ein Bistro, das Stadttheater, ein Sportstadium oder ein wissenschaftliches Labor zu Verfügung. Hier können die Sims unter anderem ihre Fähigkeiten verbessern und einen Teilzeitjob annehmen. Wenn der Sim erstmals genug Simeleons (Währung der Sims) sein Eigen nennen kann, können auch Partnerschaften an den Gemeinschaftszentren erworben oder diese ganz aufgekauft werden. Dem kapitalistischen Herzen sind also in Die Sims 3 definitiv keine Grenzen gesetzt.
Schöne neue Welt
In der Nachbarschaft der dritten Sims-Generation finden sich auch weitere Gemeinschaftsgrundstücke, auf denen neue Kontakte geknüpft und interessante neue Interaktionsmöglichkeiten umgesetzt werden können. Der sonnenverwöhnte Sim kann sich zum Beispiel am Gemeinschaftspool mit den anderen Bewohnern der Sim-Welt vergnügen, wer es lieber ein bisschen morbider mag, kann hingegen den Friedhof aufsuchen und in den Katakomben nach Schätzen suchen. Wer Fische zum Fressen gern hat, darf seiner Angellust am Strand oder am Angelteich frönen. Die gefangenen Fische können dann entweder verkauft oder umgehend zur Magenbefüllung verwendet werden. Auf Gemeinschaftszentren sollte der Sim prinzipiell immer die Augen offen halten, da Objekte auftauchen, die vom Sim gesammelt werden können. Neben Gesteinen die bares Geld wert sind, können Samen gesammelt und im eigenen Garten eingepflanzt sowie deren Früchte geerntet werden. Zur gehobenen Freizeitgestaltung kann sich der Sim außerdem in die Bibliothek oder in die Kunstgalerie zurückziehen. Bei den Sims 3 wird dem Gamer auf jeden Fall ein umfangreicher Pool an neuen Freizeitmöglichkeiten geboten, die stundenlangen Spielespaß garantieren. Enttäuschend ist allerdings der Umstand, dass bei vielen Gebäuden, wie zum Beispiel den Arbeitsstätten, die Steuerungsmöglichkeiten stark begrenzt sind. Sobald der Sim zum Beispiel in der Arbeit oder im Lebensmittelgeschäft ist, kann der User den Sim nur mit einigen wenigen Aktionen steuern und erhält zudem keinen Einblick in das jeweilige Gebäude. Wenn man Electronic Arts und die bisherige Sims-Philosophie betrachtet, wird schnell augenscheinlich, dass diese Einschränkungen nicht auf einer unausgereiften Spiele-Entwicklung beruhen, sondern bewusst gesetzt wurden. Der Tag der offenen Tür wird wohl erst bei einem der kommenden Add-Ons eingeläutet werden. Warum sollte man dem User auch gleich die ganze Kuh geben, wenn dieser sich über jedes einzelne Tetra-Pack freut?
Ich simse, also bin ich?
Auch bei der Erstellung der Sims hat sich Electronic Arts einige Mühe gegeben. Dem User stehen zur Kreation der Spielfigur wesentlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung als bei den beiden Vorgängerversionen. Wie bereits bei Sims 2 kann der Gamer die einzelnen Gesichtspartien mittels Schieberegler anpassen. Neu ist allerdings die erweiterte Gestaltung der Körperform. So kann der Sim bereits sehr realitätsnah von schlacksig-mager bis – sagen wir einmal – mehr als nur vollschlank in seiner physischen Hülle gestaltet werden. Detailverliebte Personen werden sich wahrscheinlich über die Accessoires freuen, mit denen die Sims nun aufgeputzt werden können. Neben einer Auswahl an verschiedenen Schuhen, Schmuck und Brillen können die Gamer ihre Sims sogar mit Socken ausstatten und den virtuellen Freund damit von der Zehe bis zur Haarspitze durchstylen. Besonders erfreulich ist vor allem die Möglichkeit, dass mittels Farb-Rad und Farb-Schieberegler alle Objekte individuell gestaltet werden können. Neben der Haarfarbe oder der Kleidung der Sims kann der Gamer auch Einrichtungsstücke, Tapeten oder Bauteile beliebig einfärben und mit eigenen Texturen versehen. Eine Tür in Karo-Optik ist damit genauso möglich, wie eine Badewanne im Streifenlook und wer schon immer einen violetten Sim haben wollte, kann sich auch hier über grenzenlose Farbenfreiheit freuen. Besonders gelungene Farbkombinationen können zudem als Stil abgespeichert und auf andere Objekte übertragen werden. Gefällt also die grün-gelb-gestreifte Badewanne: Warum nicht gleich das ganze Haus in derselben Optik gestalten?
Trotz dieser durchaus gelungenen Erneuerungen wirkt vor allem die Optik der Sims anfangs äußerst gewöhnungsbedürftig. Obwohl die Gestaltungsmöglichkeiten in dieser Hinsicht bei der ersten Spiele-Version im Nachhinein nahezu dilettantisch war und auch die Sims 2 keine so umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten angeboten haben, wünscht man sich bei den Sims 3 etwas von dem vorhergegangenen Charme zurück. Denn obwohl die Sims nun wesentlich plastischer gestaltet werden können, bleibt ein seltsamer Beigeschmack bestehen, dass die kleinen digitalen Menschen nun Comic-hafter wirken denn je zuvor.
Charaktersache
Die Sims-Entwickler haben es sich mit der neuen Version auch zum Ziel gesetzt, den Sims mehr Charakter einzuhauchen. Bei der Erstellung des Sims müssen fünf Persönlichkeitsmerkmale ausgesucht werden, die den Sim im weiteren Verlauf seines digitalen Daseins in seiner Handlungsweise prägen. Will man einen Sim, der die Teller immer brav in den Geschirrspüler räumt und durch den Hausputz auf Wolke sieben in seiner Bedürfnis-Skala gehoben wird, kann man dem Sim die Eigenschaft "ordentlich" zuweisen. Mit "Mag keine Kinder" werden die Interaktionsmöglichkeiten mit den kleinsten unter den Sims drastisch eingeschränkt, mit der Eigenschaft "Computerfreak" erhält man einen Sim, der gerne die ganze Nacht vor dem Computer sitzt und sich in Firmenkonten einhackt, was eine beträchtliche Summe an Simeleons einbringen kann. Insgesamt stehen über 60 Persönlichkeitsmerkmale zur Auswahl, um nicht nur vom äußeren Erscheinungsbild her einen einzigarten Sim zu kreieren. Ähnlich wie bei der Vorgängerversion prägen die Charaktermerkmale auch die jeweiligen Wünsche der Sims, jeweils vier davon können gespeichert werden, bis sie in Erfüllung gehen. Damit steigt die Laune der Sims.
Anforderung
Mit der neuen Version der Sims wird für die Hardcore-Fans auch eine neue Aufrüstungs-Ära eingeläutet, denn die Sims stellen hohe Anforderungen. Hohe Anforderungen an die Hardware nämlich. Bei nicht mehr ganz taufrischen PCs ist eine Treiberaktualisierung zum Spielen notwendig. Zudem kann mittels niedriger Grafikauflösung im Gameplay die Spieleleistung verbessert werden. Ansonsten können eine Defragmentierung der Festplatte und das Kappen der Internetverbindung zu einem schnelleren Gameplay verhelfen.
Fazit
Von den neuen Möglichkeiten her sind Die Sims 3 sicherlich ein durchaus gelungener Versionssprung gegenüber den Vorgängern Sims 1 und 2. Die Möglichkeiten, die sich dem Gamer bieten, sind realitätsnaher denn je zuvor. Dennoch ist vor allem die Optik der Sims äußerst gewöhnungsbedürftig, doch das dürfte letztlich wohl im Auge des Betrachters liegen.
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Bewertung:
Bedienung: *****
Design: ****
Unterhaltungswert: ***** (von je 5 Punkten)

Systemanforderungen:
Betriebssystem Windows XP (SP2), Windows Vista (SP1)
2.0 GHz P4 Prozessor oder vergleichbarer Prozessor (XP), 2.4 GHz P4 Prozessor oder vergleichbarer Prozessor (Vista)
1 GB RAM (XP), 1.5 GB RAM (Vista)
Mindestens 6.5 GB freien Festplattenspeicher plus zusätzlich mindestens 1 GB zusätzlichen Speicherplatz für individuelle Inhalte
128 MB Grafikkarte mit Pixel Shader 2.0 Unterstützung
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