(Wien, 11.2.2009) Eine Allianz österreichischer Autoren und Verleger spricht sich vehement gegen die de facto-Enteignung durch Google aus.
Bereits über sieben Millionen Werke digitalisiert
Der dargebotene Vergleich zwischen dem US-Verlegerverband und Google kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Internetplattform bereits sein einigen Jahren ohne Genehmigung bis dato mehr als sieben Millionen Bücher digitalisiert hat. In der Endphase, also bis zu jenem Zeitpunkt im Mai, wo die Autoren ihre Ansprüche geltend machen können, werden es bereits etwa fünfzehn Millionen sein, wie IG Autorinnen und Autoren in einer Aussendung berichten.
Google lockt mit Finanzspritze
Weltweit beteiligten sich bereits zahlreiche Bibliotheken an Googles Massendigitalisierung; darunter jene von Harvard, Stanford und Oxford. Die Motive zur Teilnahme waren unterschiedlicher Natur: Nicht selten standen finanzielle Interessen im Vordergrund, dennielen Einrichtungen fehlen die Mittel um ihre Bestände digitalisieren zu können.
Statement von Gerhard Ruiss
Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, gab gegenüber der Telekom Presse ein Statement über Googles globale Machenschaften ab:
"Die Zwangseingemeindung von Google hört durch das Vergleichsangebot nicht auf. Als Betroffener sehe ich derzeit nur eine Chance, sich mit Google über den aufgenötigten zurückliegenden Gebrauch zu vergleichen und anschließend alle Bücher herauszuziehen. Also alles zurück zum Start. Ich selber werde Google ganz sicher kein Recht an einem meiner Bücher einräumen.
Betroffen sind zum derzeit noch allgemeinen Unglauben sämtliche österreichische Autorinnen und Autoren, von Thomas Bernhard sind (jeweils inkl. Übersetzungen) in der Vergleichsliste mehr als 500 Bücher enthalten, von Elfriede Jelinek 370, von Peter Turrini 200, von mir 60. Alle meine Gedichtbände, sogar eine bibliophile handgesetzte Kleinauflage, die nie in den Buchhandel gekommen ist.
Google ist also mit dem großen Staubsauger über alles drübergefahren und versucht in diesen Vergleich einzupacken, was ihm nur irgendwie möglich ist. Wir werden ganz sicher koordiniert vorgehen, an unserer Grundhaltung dazu wird sich nicht viel ändern: Raus, solange es noch möglich ist. Google kann die Rechte erwerben, wie sie auch sonst jeder und jede erwerben muss: bei den Rechteinhabern selbst oder, wenn wir die Verwertungsgesellschaften dazu beauftragen sollten, bei unseren Verwertungsgesellschaften."
Subtile Dateneinspeisung
Zudem erläutert Ruiss, dass sich Google schrittweise an die Aufnahme der Werke herangetastet hat. Zunächst habe das Unternehmen verlautbart, lediglich freie Werke, also solche, die 70 Jahre nach Tod des Autors frei verfügbar sind, in die Datenbank aufzunehmen. Dann habe sich jedoch herausgestellt, dass Google auch auf lieferbare Werke Anspruch erhoben habe und letztlich auch Bücher, die noch gar nicht veröffentlicht wurden, bereits in die Datenbank eingespeist hat.
Der Konkurrent heißt Europeana
Google steht mit seinem Geschäftsmodell auch in einem Wettlauf mit der Europäischen Digitalen Bibliothek Europeana: Mit dieser Einrichtung werde laut IG Autorinnen Autoren bewiesen, dass sich Massendigitalisierung sowie individuelle Lizenzierung und der Rechteerwerb im Vorhinein nicht ausschließen.
Monopolist Google
Die Kernfrage bei Googles Vorhaben sei, inwieweit das Welt-Wissen monopolisiert; also in der Hand weniger privater Firmen liegen dürfe. Gerhard Ruiss dazu: "Google versucht eine rechtliche Parallelwelt zu errichten, in der das bisherige Urheberrecht von den Rechten, die sich Google selber einräumt, abgelöst werden soll. Wer das nicht will, muss klagen und sehr viel Geld haben, um sich eine solche Klage in den USA leisten zu können. Google und der Vergleich machen die bisherigen Vertragsgrundlagen gegenstandslos. Niemand wird mehr ein Interesse haben, vergriffene Bücher neu aufzulegen, außer Google natürlich mit einem Print-on-demand-Dienst und ähnlichem."
Die Literar-Mechana erarbeitet derzeit in mit der IG Autorinnen Autoren auf Basis des Vergleichs und des Rechtsgutachtens ein Dienstleistungsmodell, wonach die Betroffenen ihre Rechte gegenüber Google geltend zu machen. Ruiss darüber: "Generell ist es eine schwierige Situation, wir müssen aber versuchen, gemeinsam gegen Google vorzugehen."
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Fotos: Credit: Stockexchange, jurgengeit, 11.2.2009, 18:20
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