E-Book-Reader von verschiedensten Herstellern drängen derzeit auf den Markt. Doch welches Potenzial steckt hinter den digitalen Büchern? Telekom Presse hat darüber mit Thalia und Ueberreuter gesprochen.
(Wien, 18.8.2009) Mit dem Sony E-Book-Reader kann man auch in Österreich seit März in den digitalen Lesegenuss kommen. Zudem bieten auch zahlreiche andere Hersteller E-Book-Reader an. Amazon erzielt mit seinem Kindle große Erfolge und User können immer häufiger Applikationen für die digitale Lektüre auf ihre mobilen Endgeräte laden.
Mit der zunehmenden Platzierung am Markt gehen auch moderne Visionen einher. In den USA wird zum Beispiel die Ausstattung jedes Schülers mit einem E-Book-Reader gefordert (siehe Bericht vom 15.7.2009). Zwischen Vision und Realität hat Telekom Presse Mirjam Berle, Unternehmenssprecherin bei der Buchhandelskette Thalia, über die momentane Situation des E-Book-Markts befragt. Was das digitale Buch für die Verlage bedeutet, hat Thomas Zauner von der Verlagsgruppe Ueberreuter näher beleuchtet.
Telekom Presse: Wie erfolgreich ist der Sony E-Book-Reader? Gibt es diesbezüglich bereits Verkaufszahlen?
Mirjam Berle: Wir bieten den Sony Reader seit März 2009 in unseren Filialen und in unserem Online-Shop an. Im Online-Shop können Kunden seither auch E-Books erwerben und herunterladen. Wir sind mit der Nachfrage seitens unserer Kunden sehr zufrieden, was uns darin bestärkt, dass das Marktpotenzial durchaus gegeben ist. Konkrete Zahlen veröffentlichen wir dazu nicht.
Telekom Presse: Inwiefern könnten Bücher und Zeitungen in gedruckter Form jemals von E-Book-Readern verdrängt werden?
Mirjam Berle: Die Entwicklung von haptisch orientierten hin zu digitalen Medien wird sich zunehmend beschleunigen. Dies bedeutet keinesfalls ein Aussterben herkömmlicher Medien wie dem gedruckten Buch oder dem Hörbuch. Vielmehr erwartet der Kunde zunehmend unterschiedliche Darreichungsformen von Inhalten, aus denen er je nach Bedarf auswählen kann.
Telekom Presse: Mit welchen Trends im E-Book-Segment wird momentan gerechnet und was plant Thalia in dieser Hinsicht?
Mirjam Berle: Die Bedeutung des E-Books wird auch künftig als eine von vielen Darreichungsformen Bestand haben und damit auch als relevantes Segment weiterhin an Bedeutung gewinnen.
Telekom Presse: Welche Vor- und Nachteile bringen E-Books für Verlage?
Thomas Zauner: Eine weitere Angebotsform für eine neue Lesergeneration ist definitiv als Vorteil zu nennen. Zu den Nachteilen zählen: Rechtsunsicherheit (DRM, unklare Rechtsverhältnisse bei älteren Autoren- und Lizenzverträgen, ...), noch kein durchgesetztes Preis- und Geschäftsmodell und die Vielfalt an Datenformaten.
Telekom Presse: Welche Veränderungen bringen E-Books für den Status Quo von Verlagen und Autoren?
Thomas Zauner: Die traditionelle Funktion eines Verlages als Mittler zwischen Urheber und Leser verliert tendenziell an Bedeutung, da viele Verlagsleistungen (semiprofessionell) substituiert werden können. Dass aber in absehbarer Zeit die Mehrheit der Autoren auf die Mittlerfunktion verzichten werden, ist eher unwahrscheinlich. Denn nur Starautoren bekommen direkten Kontakt zu Meinungsmachern und Multiplikatoren, kaum ein Autor kümmert sich gern selbst um internationale Lizenzabschlüsse.
Telekom Presse: Welche Schritte plant Ueberreuter in dieser Hinsicht?
Thomas Zauner: Das im Herbst 2009 startende Fantasy-Label der Verlagsgruppe Ueberreuter Otherworld (http://www.otherworldverlag.com/) wird alle Neuerscheinungen als E-Books anbieten. Die Erfahrungen in diesem Bereich werden die weitere Strategie beeinflussen.
Telekom Presse: Vielen Dank für das Gespräch!
Wie die rechtliche Situation im E-Book-Segment derzeit ausschaut, hat Telekom Presse mit dem Experten für Wirtschaftsrecht Johannes Öhlböck besprochen. Das Interview dazu finden Sie hier.
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