(16.01.2012, 16:30) Apple hat eine Liste offengelegt, welche die weltweiten Zulieferer des Konzerns bekannt gibt. Die meisten der 156 Hersteller von Bestandteilen der Apple-Geräte befinden sich in Asien. Das Unternehmen gab bekannt, dass 97 Prozent des Geldes, das es an seine Zulieferer zahlt, an diese Unternehmen geht. Der Konzern versucht mit diesem Schritt gegen die laut geworde Kritik wegen der Missstände in den Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern vorzugehen.
Apple-Chef Tim Cook hat sich nun erstmals zu den Arbeitbedingungen und deren Verbesserungsmöglichkeiten geäußert. Im Rahmen einer selbst veranlassten Untersuchung wurden Missstände eingeräumt und festgestellt, das sich lediglich rund 40 Prozent der Zulieferer an das von Apple vorgegebene Arbeitszeitmaximum von 60 Stunden und einem freien Tag pro Woche halten. Einem weiteren Drittel der Unternehmen kann zudem ein nachlässiger Umgang mit gefährlichen Substanzen vorgeworfen werden. Ein weiteres Drittel der Firmen hielt sich nicht an die Sicherheitsstandards zur Vermeidung von Verletzungen. Zudem war die Rede davon, dass in fünf Fabriken Minderjährige beschäftigt sind, wobei allerdings Apple betonte, dass sich dieser Umstand wegen einer schlechten Überprüfung von Dokumenten der Arbeitnehmer ergab. Man wurde darüber hinaus auf Verletzungen von Umweltauflagen und zahlreichen Fällen schlechter Bezahlung aufmerksam.
Apples Tranparenz-Aktion zeigt, dass das Unternehmen bestrebt ist, Goodwill zu zeigen und versucht, nicht mehr im Kreufeuer der Kritik zu stehen. Zusätzlich ist das Unternehmen nun als erster Tech-Gigant der Organiation Fair Labour Association (FLA) beigetreten, welche sich für bessere Arebitsbedingungen weltweit einsetzt.
Verbesserung der Kontrolle
Um tatsächlich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei den asiatischen Herstellern zu erreichen, wurde die Anzahl an Untersuchungen bei den Zulieferern nun um 80 Prozent erhöht. Darüber hinaus hat man die Zusammenarbeit mit einem Hersteller beendet, nachdem es dort wiederholt zu Verletzungen der vorgesehenen Arbeitszeitlimits kam.
Auch räumte der Konzern ein, dass die zwei Explosionen in Werken eines chinesischen Zulieferers letzten Jahres auf Aluminium-Staub zurückzuführen war. Bei dem Unglück kamen vier Menschen ums Leben, weitere 77 Arbeiter wurden verletzt. Der Aluminium-Staub war bei der Produktion von MacBooks ausgetreten und ist explosiv. Das Unternehmen gab an, dass seit dem Unfall die Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht wurden.
Drohung mit Massenselbstmord
Erst kürzlich hat der bekannten Apple-Zulieferer Foxconn für negative Schlagzeilen gesorgt, nachdem mehr als 300 Angestellte des Unternehmens mit kollektivem Massenselbstmord gedroht hatten, wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht ändern würden. Die Arbeiter waren mit der Herstellung von Xbox 360 Konsolen beschäftigt und einigten sich darauf, gemeinsam vom Dach der Fabrik zu springen.
Bei Foxconn kam es bereits zuvor zu einer ganzen Serie von Selbstmorden, weshalb das Unternehmen wegen den schlechten Arbeitsbedingungen stark in Kritik geraten war. Nach Schadensersatzforderungen seitens der Arbeiter und falschen Versprechungen, dass diese gezahlt werden, wenn die Mitarbeiter ihre Verträge ausflösen würden, kam es zur Eskalation. Am 2. Januar versammelten sich mehr als 300 Mitarbeiter in Wuhan auf dem Fabriksdach und drohten damit, in die Tiefe zu springen. Ein Behördenvertreter konnte die Arbeiter schlussendlich davon überzeugen, die Drohung nicht wahr zu machen. Nach der Protestaktion sei es, so Vertreter des Unternehmens, zu einer Einigung mit den Arbeitnehmern gekommen.
Die Veröffentlichung des Apple-Berichtes wird von Experten als Beweis für Tim Cooks Strategie gesehen, Apple nach dem Tod Steve Jobs tranparenter auzurichten. Ob die Bemühung des Konzerns, die fatale Arbeitsituation der asiatischen Angestellten zu verbessern, auch nach Abklingen der ersten Kritikwelle verfolgt wird, bleibt abzuwarten.
( )© Telekom-Presse
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Suchbegriffe: Apple setzt auf Transparenz bei Zulieferern