(28.9.2011, 23:45) Apple hat rund um seine Kunden des iPod, iPhone und iPad schon eine ziemlich schwierig zu überwindende Mauer aufgerichtet und versucht sie weitgehend an Apples Angebote zu binden. Aber es gibt noch immer eine breite Ausfallstraße ins Web über den Safari Browser sowie über andere Browser, die auf Apples Geräten installiert werden können.
Amazon hat nun eine clevere Methode gefunden den Käufern eines Kindle Fire auch diesen Ausweg zu versperren. Die Methode dafür ist der Silk Web Browser, den der Buchhändler in einer Presseerklärung als revolutionäre Technologie feiert. Revolutionär ist die Idee des Cloud-beschleunigten Browsens sicher, vor allem wenn man sich den Gewinn für Amazon ansieht. Denn von Kindle Fire kommt man nicht mehr ins Web, sondern nur mehr in Amazons Eleastic Compute Cloud (Amazon EC2), die die Daten aus dem Web zusammensammelt und an das Tablet weiter vermittelt.
Damit ist der Käufer nun Amazon komplett und vollständig ausgeliefert: Webstore gibt es nur bei Amazon, der Google Market ist nicht erreichbar, Musik, Bücher, Cloud und so weiter – gibt es alles von Amazon. Und willst du über den Webbrowser woanders hin, dann geht das nur wenn Amazon das zulässt.
Es ist noch gut in Erinnerung, dass Amazon Wikileaks von einem Tag auf den anderen aus seinem EC2 Service hinausgeworfen hat. Ein Zugriff auf Wikileaks wäre danach wohl über das Kindle Fire Tablet nicht mehr möglich gewesen.
Die Presseerklärung überschlägt sich förmlich die Vorteile für den Kunden zu erläutern: um wie viel schneller es gehe, wenn die Daten in der Compute Cloud aus den verschiedenen Quellen zusammengesammelt werde und dann in einem Stream an das Kindle Fire übermittelt werde. Und Amzon wisse natürlich auch, was die meisten User als nächstes wollen und wenn du das dann anklickst, ist es schon ans Tablet übertragen worden.
Ich weiß nicht, ob ich einem Anbieter die völlige Kontrolle über das, was ich zu sehen bekomme und tun darf, übertragen möchte. Ich weiß auch nicht, ob ich eine komplette Historie von jedem Webzugriff bei einem Provider hinterlassen möchte – ohne die Möglichkeit von In-Private-Browsing oder ähnlichem.
Die Datensammelwut und der Versuch die User in geschlossene Systeme einsperren zu wollen, wird immer ausufernder. Begonnen hat Apple damit, Google ist auch schon recht weit damit gediehen, Facebook setzt gerade an alles innerhalb seiner Mauern passieren zu lassen, den Vogel schießt aber bisher eindeutig Amazon ab. Das wäre sicher auch das perfekte Szenario für China oder andere diktatorisch veranlagte Staaten: Über eine zentrale Stelle hat man Kontrolle darüber, was die Bürger zu sehen bekommen können. Die Sperre von Inhalten ist jederzeit möglich und liegt allein im Ermessen von Amazon.
Hier ein Demovideo des technologisch sicher sehr interessanten Browsers:
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