10 Gründe warum Google+ langfristig Facebook entthronen wird

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10 Gründe warum Google+ langfristig Facebook entthronen wird

 
(c) Vic Gundotras Google+ Seite
 

Google+ hat eine Reihe gewichtiger Vorteile gegenüber Facebook, worunter der Faktor Vertrauen nicht der geringste ist. Und das nächste soziale Netzwerk ist immer nur einen Mausklick entfernt.

 

(11.8.2011, 16:45) Seit etwa 6 Wochen gibt es nun Google+. Mit mehr als 25 Millionen Usern hat das neue Netzwerk einen Rekord bei der Schnelligkeit der Verbreitung und der Akzeptanz aufgestellt. Natürlich tut sich jetzt die Frage auf, welches das führende soziale Medium sein wird und wie sich Google+ im Vergleich zu Facebook weiter entwickeln wird.

Eines aber noch vorweg: Weder Facebook noch Google+ werden für sich in Anspruch nehmen können, DAS führende soziale Medium zu sein. In China, Japan oder Russland spielt Facebook entweder keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle, ebenso wie auch Google. Egal, ob nun Google+ Facebook überholen kann oder nicht – beide werden nur einer unter mehreren sein. Facebook sieht aus US oder europäischer Sicht mächtig aus, aus chinesischer aber eher mickrig.

Es hat schon eine ganze Reihe von Feature-Vergleichen zwischen Facebook und Google gegeben. Aber die Funktionen sind nicht entscheidend. Wie oft sind schon bessere Produkte gegen schlechtere untergegangen, bloß weil diese ein besseres Image und mehr Vertrauen genossen. Und damit sind wir auch schon beim ersten Punkt der Liste von 10 Gründen.

1. Vertrauen und Privatsphäre

Facebook wird seit Jahren ständig verfolgt von kleinen Hoppalas und größeren Einbrüchen in die Privatsphäre. Erst heute gab es wieder Ärger mit den Telefonnummern der eigenen Kontakte. Facebook klaut über seine Apps ganz ungeniert die Kontakte aus dem Smartphone und speichert sie auf seinen Servern. Das ist in der EU ein massiver Rechtsbruch. Die Einstellungen für Privatsphäre sind trotz mehrfacher Überarbeitung kompliziert und in den Auswirkungen kaum überschaubar. Vertrauen in Facebook konnte sich nie aufbauen.

Anders dagegen bei Google+. Google hatte von Anfang an auf seine Fahnen geschrieben nichts Negatives gegen seine Kunden zu tun. Über die Jahre hinweg hat sich Google auch eine deutlich höhere Vertrauensbasis in der Öffentlichkeit geschaffen als Facebook. Das mag auch daran liegen, dass Google 10 Jahre lang von einem grundsolide und seriös wirkenden Eric Schmidt geführt wurde und Facebook von einem flippigen Jugendlichen.

Vertrauen ist jedenfalls ein Gut, das nur auf längere Sicht aufgebaut werden kann, das aber den Unterschied zwischen Facebook und Google+ ausmachen kann. Das Takeout-Feature in Google+, mit dem mit einigen Mausklicks eigene Postings, Bilder, Mails und alles aus dem Google Ökosystem auf der eigenen Platte sichern kann, wirkt sicher ebenfalls vertrauensbildend.

2. Offenheit versus Mauer

Geschlossene Systeme hatten es immer schwerer als offene, auch die Berliner Mauer ist gefallen. Facebook ist von außen so gut wie gar nicht einsichtig und in der Suche auch nicht auffindbar. In Google+ habe ich bei Postings die Möglichkeit genau einzustellen wer sie sehen soll - von der einzelnen Person, über Mitglieder der Kreise bis hin zu „öffentlich“. Und bei der Einstellung öffentlich kann der Beitrag auch von Suchmaschinen gefunden werden. Facebook Postings verschwinden dagegen hinter der Mauer und können nicht gefunden werden.

Warum ist das bedeutend? Über die Suche können damit User, die bisher nichts mit Google+ am Hut hatten, auf Beiträge aufmerksam werden und wenn es dann noch eine interessante Diskussion dazu gibt, ist man schnell versucht auch einen Kommentar abzugeben. Alles was man dazu tun muss, ist, sich anzumelden. Was im Regelbetrieb mit wenigen Klicks zu erledigen sein wird.

3. Mehr Interaktivität, Engagement und Diskussion

Der vorige Punkt führt nahtlos zum nächsten. Meine Erfahrung und auch die in anderen Blogbeiträgen wiedergegebene Meinung ist, dass es auf Google+ wesentlich mehr Diskussion gibt als auf Facebook. Ich war total überrascht, dass ich im Schnitt doppelt so viele Reaktionen auf Postings erhalte wie in Facebook. Sicherlich sind Neuheit und die Leute, die als erste etwas Neues versuchen, ein Faktor. Der andere aber ist, dass Google+ durch Layout, Design und die Verteilungsmethoden Diskussionen weit stärker fördert als Facebook.

Durch die Kreise, öffentliche Postings und die „Erweiterten Kreise“ sehe ich immer wieder spannende neue Themen und Diskussionen, an denen ich mich beteiligen kann, ohne mich erst langwierig mit jemandem befreunden zu müssen oder eingeladen zu werden.

4. Die Entwickler Community

Google verfügt über eine Community von etwa 500.000 Entwicklern, die Web-Apps für Chrome und das Chrome Book oder Apps für Android produzieren. Google pflegt auch regelmäßigen Kontakt mit dieser Community wie etwa bei der Konferenz Google I/O. Sobald Google die API-Schnittstellen für Entwickler freigibt, wird eine große Zahl von Add ons und Apps und mobile Applikationen für Google+ entstehen. Darunter natürlich auch Spiele wie in Facebook, aber ich vermute, dass es weit darüber hinausgehen wird.

Das ist ein gar nicht hoch genug einzuschätzendes Asset von Google+, denn für Facebook waren auch die Spiele ein großer Magnet um neue User anzuziehen. Und gerade die Spieleentwickler sind ohnehin sauer auf Facebook, weil man ihnen von ihren Umsätzen 30% abknöpft. Google hat schon bei Android ein wesentlich attraktiveres Modell für In-App-Bezahlungen vorgestellt, mit einer Provision, die sich bei etwa 5% bewegt. Also attraktiv für Entwickler und Endbenutzer.

5. Das Google Ökosystem

Facebook ist ein soziales Netzwerk und sonst nichts. Google hat hingegen ein riesiges Portfolio im Angebot: Suche, Gmail, YouTube, Picasa Fotos, Blogger, Google Reader, Maps, Books, News, Anwendungen, Android und mehr. Und sobald man ein Konto bei Google hat, stehen diese Services zur Verfügung.

Derzeit gibt es rund 200 Millionen Gmail-User und täglich kommt mehr als eine halbe Million dazu, da bei einem Android Smartphone ein Gmail-Konto mehr oder weniger zwangsweise aufgemacht werden muss. Natürlich gibt es auch weitere hunderte Millionen User, die einen der Services von YouTube über Picasa hin zu Docs nutzen. Und alle werden demnächst Google+ in der Leiste oben im Browser sehen.

6. Vielfache Möglichkeiten

Google+ ist keine einfache Anwendung. Es fasst Elemente aus Facebook, Twitter, Foren, Blogs, RSS-Readern, Videochats und mehr zusammen. Es ist diese Zusammenfassung, die die Erfahrung damit anders macht als mit Facebook oder Twitter oder Xing. Mit einem Klick kann ich von einer ganz privaten Unterhaltung im Kreis Familie zu dem Kreis springen, in dem die Kontakte sind, die über Social Media schreiben oder zu „Nicht in Kreisen“ gehen um zu sehen worüber andere Menschen öffentlich diskutieren. All das kann ich in anderen Netzen auch, aber eben nur jeweils einen Teil davon. Und das ist eine neue Qualität in Google+, die anziehend wirkt.

7. Die Kontrolle über meinen Newsfeed

In Facebook sammelt sich immer mehr Müll im Newsfeed, wie zum Beispiel „XY ist jetzt mit YZ und 114 anderen befreundet“. Solche völlig uninteressanten Mitteilungen stehen noch dazu meist ganz oben und ich habe schon 4 aus 7 oder ähnliche Häufungen gezählt.

Besonders ärgerlich an Facebook ist, dass man nie weiß was man zu sehen bekommt. Facebook hat einen Algorithmus namens Edgerank, der entscheidet, welche Posting meiner Freunde ich zu sehen bekomme und umgekehrt was sie von mir sehen. Bei Google+ wird nichts gefiltert und ich bekomme alles schön chronologisch geordnet so wie bei Twitter. Das hat auch wieder ein bisschen mit Vertrauen zu tun – ich kann darauf vertrauen, dass mit Google alles liefert. Und Vertrauen ist entscheidend – siehe Punkt 1.

8. Android

Google aktiviert derzeit täglich 550.000 Smartphones mit Android und bei der gegenwärtigen Zuwachsraten von 4% pro Woche, werden es gegen Ende Oktober bereits 1 Million pro Tag sein. Und jedes Android Phone verlangt einen Google Account, damit man seine Funktionen vollständig nutzen kann. Ich nehme an, dass Google+ bald auch Bestandteil des Betriebssystems, oder zumindest so vorinstalliert wie Maps sein wird. In neuen Versionen ist da sicher auch eine stärkere Integration zu erwarten – ein riesiger Vorteil gegenüber Facebook und übrigens auch gegenüber Apple.

Seit einem Jahr ist immer wieder von einem Facebook Phone zu hören. Aber wirkliche Bewegung gab es bisher nie. Und obwohl immer Lippenbekenntnisse über die Bedeutung der mobilen Zugriffe auf Facebook geäußert werden – wirklich gut ist das nicht was es derzeit an Apps für bzw von Facebook gibt.

9. Werbung

Derzeit ist Google+ noch werbefrei. Egal ob das so bleibt oder nicht, hier ist Google+ klar im Vorteil gegenüber Facebook. Kommt keine Werbung, so freuen sich die User. Kommt sie schon, wird Google das mit Sicherheit wesentlich professioneller und damit lukrativer als Facebook abhandeln können.

10. Auf die Kunden hören

Google scheint wirklich auf seine Kunden hören zu wollen und fordert aktiv Feedback ein. Rechts unten auf der Seite ist eine Schaltfläche für Feedback, mit der man einfach und schnell Probleme und Anregungen an Google übermitteln kann. Das gesamte Google+ Team ist im eigenen Netz engagiert und dank der Struktur von Google+ kann auch ich mit den Top-Leuten Vic Gundotra oder Bradley Horowitz, aber auch mit Mitgliedern des technischen Teams, jederzeit in Verbindung treten und ihre Postings kommentieren und bei Diskussionen mitwirken.

Natürlich – jetzt wird der Einwand kommen – 750 Millionen auf Facebook und die meisten sind nicht interessiert an Änderungen. Und die Oma und der Opa werden, wenn sie es schon mal auf Facebook geschafft haben auch dort bleiben. Oma und Opa werden aber die ersten sein, die Kindern oder Enkeln in ein neues Netz nachziehen – es kostet auch nur einen Klick und schon ist man von Facebook weg und mitten drinnen in Google+. Sobald Google die Testphase abschließt wird es sicher jede Menge Tools geben, die einen Wechsel unter Mitnahme von Bildern, Kontakten und anderen Informationen beträchtlich erleichtern werden. Nicht vergessen - für Google+ gibt es jetzt schon das Takeout-Feature. Die Millionen-Massen auf Facebook sind sicher ein beharrendes Moment. Aber kommt die Masse einmal in Bewegung, dann ist sie durch fast nichts mehr aufzuhalten.

Bitte teilt uns in den Kommentaren mit, ob ihr glaubt, dass sich Google+ durchsetzen wird.

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Reaktionen auf diesen Artikel



Josef Schilk, 12.08.2011
google+ versus facebook
ich bin auch Ihrer Meinung aus den von Ihnen sehr klar dargestellten Gründen. Danke.

PS: ich versuche schon seit einiger Zeit Zugang zu google+ zu bekommen, es ist mir aber bis jetzt nicht gelungen. Können Sie da helfen?
mbG Josef Schilk
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